Fangen wir mit der Wut an. Es gab eine Menge wütender Reaktionen auf die Serie Tödliche Keime, in der sich ZEIT und ZEIT ONLINE in Zusammenarbeit mit der Rechercheplattform Correctiv und der Funke Mediengruppe mit der wachsenden Gefahr antibiotikaresistenter Keime auseinandersetzten. Lautstarker Höhepunkt war eine Demonstration zorniger Bauern vor der ZEIT-Zentrale in Hamburg am 28. November, mit Trillerpfeifen und Plakaten, die unter anderem riefen: "Wir haben kein Problem mit Keimen!"

Was hatte die Wut der Landwirte ausgelöst? Die ZEIT hatte einen Fokus gelegt auf die Bedrohung durch die Entstehung antibiotikaresistenter Keime in der Massentierhaltung, beziehungsweise auf das landwirtschaftliche System, das diese Art von Fleischherstellung organisiert. Die Landwirte fühlten sich als Sündenböcke abgestempelt, obwohl sie doch den Antibiotikaverbrauch schon reduziert hätten. Es kam Anfang Dezember zu einem Treffen mit Vertretern des Deutschen Bauernverbandes in der Berliner ZEIT-Redaktion, an dem auch ZEIT- Chefredakteur Giovanni di Lorenzo teilnahm. Nach der sachlichen Aussprache blieben Meinungsverschiedenheiten, aber auch eine Gemeinsamkeit: Allen ist wichtig, dass die Gefahr durch multiresistente Keime stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit rückt.

Es schrieben Mediziner, die uns vorwarfen, die Lage zu dramatisieren. Es schrieben Ärzte, die der Überzeugung sind, alles sei und werde noch viel schlimmer. Es meldeten sich Tierärzte, die sich diffamiert fühlten, und Tierärzte, die neue Missstände meldeten. ZEIT ONLINE registrierte mehr als 700 Nutzerkommentare. Viele Hinweise erreichten uns, die neue Recherchen ermöglichen. Apropos Missstände: Nach dem Artikel in der vergangenen Woche über die katastrophalen Bedingungen, unter denen osteuropäische Arbeiter, die in der Fleischindustrie eingesetzt werden, zu leiden haben, schrieben entsetzte ZEIT-Leser. Auch Wirtschaftsminister Gabriel meldete sich: "Als Sozialdemokrat schäme ich mich dafür, dass wir diese Zustände hier dulden. Ich werde mit allen Möglichkeiten, die das Bundeswirtschaftsministerium hat, dagegen vorgehen. Und das erwarte ich auch von allen anderen Behörden. Denn fast nichts von dem, was hier beschrieben wird, ist legal in Deutschland."

Günter Grass kam vergangene Woche zur Blattkritik in die Redaktion der ZEIT, er ermahnte uns, die Politik mit dem Thema zu konfrontieren, damit sich am landwirtschaftlichen System etwas ändere. Diese Woche haben wir damit begonnen, siehe das Interview mit Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt.