Zuletzt kämpfte er darum, in den "Ruinen, die sich hier Universität nennen", endlich "menschenwürdige Verhältnisse" durchzusetzen. Nun soll der Vertrag von Universitätspräsident Dieter Lenzen vorzeitig verlängert werden. Sollte er in den Gremien eine Mehrheit finden, würde sich darin zeigen, dass die Debatte um die Zukunft des Hochschulstandortes das Gegenteil ihres Ziels erreicht hätte: Statt einer gemeinsamen Diskussion über die Zukunft schließt die Hochschule ihre Reihen und verbittet sich Einfluss von außen. Der kämpferische Lenzen ist dafür das Symbol.

Die Personalie ist im ersten Moment erstaunlich, weil der Präsident in den vergangenen Monaten nicht die beste Figur gemacht hat. Aufgefallen war er vor allem mit rüder Wortwahl und erstaunlichen Pirouetten. Zunächst erklärte er die von mehreren Altpolitikern angestoßene Debatte zur Zukunft der Wissenschaft für überflüssig, später warf er den Medien eine "Bombardierung" der Wissenschaftssenatorin vor. Wenige Wochen später kritisierte er dann selbst die Senatorin, sie nehme die Hochschulen nicht ernst, sprach von Ruinen und Menschenwürde. Zuletzt erklärte er wieder, es gebe einen guten Dialog. Gleichzeitig demonstrierte er mit Studenten für mehr Geld. Stringent geht anders.

Im zweiten Moment ist diese Personalie aber konsequent. Lenzen hat nach innen signalisiert: Ich kämpfe an allen Fronten für euch. Nach außen machte er deutlich: Ihr habt uns nichts zu sagen, wir wissen, was wir tun, wir sind spitze. Das schließt die Reihen, auch wenn es bisweilen an eine Wagenburg erinnert. Die Frage muss allerdings lauten: Dient es auch dem Ziel?

Die Universität will mehr Geld. Um das zu bekommen, muss sie überzeugen: die Stadt und die Politik. Dafür braucht es Verbündete, wie es die Altpolitiker bei aller Kritik gewesen wären. Und es braucht einen offenen Dialog, wie ihn die Patriotische Gesellschaft, der Wirtschaftsrat und Politiker fordern. Lenzen aber hat bisher vor allem Absagen erteilt und verhandelt lieber im Hinterzimmer.

Ein selbstbewusster Uni-Präsident, der sich der Sparpolitik entgegensetzt, ist gut für Hamburg. Aber ein kluger Chef überzeugt seine Kritiker, anstatt sie anzublaffen.