Das sind nicht unsere Amis. Keine freundlichen GIs, die Nazidiktatur und Weltkrieg ein Ende machen, indem sie von ihren tanks herab Schokolade und Kaugummis verteilen und endlich die Demokratie über Deutschland abwerfen. Auch keine Heroen am Omaha Beach. Nichts von den Bildern, an die unser kollektives Gedächtnis glauben will. Panzer sind da, amerikanische Soldaten sind da. Aber von Befreiung ist nichts zu sehen in Herz aus Stahl, dem Kriegsfilm mit Brad Pitt als Panzerführer Don "Wardaddy" Collier.

Der Spitzname ist kein Witz. Laut Heraklit ist ja der Krieg der Vater aller Dinge, der die einen zu Sklaven, die anderen zu Freien macht. Sergeant Collier ist sein legitimer Stellvertreter, die Personifizierung eines bedrohlichen Übervaters, der Feinde mit dem Tod bestraft und die eigenen Männer mit dem Leben in einer heillosen Welt. Er führt eine Panzereinheit verrohter, zu Tode erschöpfter Krieger an. Seine Strenge darf keine Gnade kennen, weil der Krieg auch keine zeigt. Denn offensichtlich ist noch nicht Frühling, noch nicht Mai 1945, sondern dreckiger Spätwinter. Deutschland besteht nur noch aus Schlamm, Blut, Trümmern, Rauch und fiesen Nazivisagen, aber es kapituliert nicht. Wenn die Amerikaner die feindlichen Feuer zum Schweigen gebracht haben, liegen deutsche Kinder erschossen im Unterholz, die man als letzte Verteidigung an die Front zum Sterben geschickt hat.

Über die Botschaft des Films muss man nicht lange grübeln. Wardaddys Dialogzeilen sind deutlich, an der Grenze zur Lächerlichkeit: "Ich fing diesen Krieg damit an, Deutsche in Afrika zu töten. Dann in Frankreich. Dann in Belgien. Jetzt töte ich Deutsche in Deutschland. Es wird enden. Bald. Aber davor werden noch viele Leute sterben." Die Bilder von zerfetzten Menschen und grauenhaften Toden lassen die brutale Autorität des Daddy wie die einzig angemessene Haltung aussehen. Sein Prinzip lautet: Ihr werdet mir für meine Härte später noch dankbar sein. Wenn ihr überlebt habt. Natürlich sind es die Umstände die ihn zwingen. Wenn er unbeobachtet ist, kauert er hinter seinem Panzer und bricht in Tränen aus.

Es gibt keinen sauberen Krieg, heißt das, jeder macht sich schuldig. Das kann man schon noch mal sagen, in Zeiten, in denen man nicht mehr in bulligen Sherman-Panzern kämpft, sondern mit unbemannten Drohnen, und in denen Bürokraten von Kollateralschäden faseln. Für so etwas wäre Wardaddy nicht zu gebrauchen, er sagt: "Es geht nicht um richtig oder falsch. Wir sind hier, um diese Leute umzubringen." Alles klar, Krieg ist nicht gerecht. Aber gäbe es da nicht aktuellere Beispiele? Warum schon wieder in den Zweiten Weltkrieg ziehen?

Das Genre braucht eben einen Gegner, der absolut böse ist. Also, wenn gerade keine Zombies vorhanden sind, mindestens die Naziherrschaft, damit das Grauen in bewusst realistisch inszenierten Kriegsszenen seine ganze grässliche Anziehung entwickeln kann. Daraus entsteht dann auch die zwingende Logik der anderen albtraumhaften Ordnung des Films. Denn was bietet Schutz in der schrecklichen Welt der alles mit sich reißenden Gewalt? Die Sippe, suggeriert der Autor und Regisseur David Ayer und zeigt uns eine Art Familie, die um Sergeant Wardaddy verschworen ist.

Dessen Schikanen sind ja auch nicht nur Disziplinarmaßnahmen, sondern entstammen einer echt väterlichen Autorität, die seine Jungs inmitten des Tötens auf ihre Posten zwingt. Zu Beginn kommt in seinem kleinen Trupp ein Kamerad um. Wegen eines Fehlers wird er durch einen Schreiberling ersetzt, der tippen gelernt hat, nicht kämpfen. Norman, gespielt von Logan Lerman, ein gutgläubiger Schwächling, der Vertreter des Zuschauers in der Handlung, der noch ein entsetztes Gesicht macht ob des Schlachtens, während die anderen nur mehr stumpf und rachsüchtig sind. Dieses Milchbübchen unterzieht Wardaddy seinen Initiationsriten, die uns klarmachen: Von jetzt an ist es Vater Krieg, der ihn essen, vögeln, töten, und also leben, lässt. Erst wehrt sich Norman noch, dann schickt er sich in ein Leben, das er in diesem Krieg anscheinend doch nicht vermeiden kann.