ZEIT: Die war dann aber keine Freude, oder?

Le Billon: Das war schon harte Arbeit, aber aus der Sicht vieler Menschen war das besser als nichts. Vom korrupten Regierungschef bis zum kleinen Jungen, der neue Schuhe braucht und deshalb in einer Diamantenmine schuftet, halten alle diese Akteure Kriegsökonomien und somit Kriege am Laufen.

ZEIT: Stehen die Profiteure dem Frieden im Weg?

Le Billon: In gewisser Weise schon. Es gibt Rebellengruppen, die alles dafür tun, den kriegerischen Status quo beizubehalten. Sie richten sich in ressourcenreichen Gegenden des Landes ein und machen dort gute Geschäfte. Es gibt korrupte Regierungen, die von der Intransparenz profitieren, die im Krieg entsteht. Und natürlich gibt es Unternehmen, die ein Interesse daran haben, dass der Krieg nicht beendet wird: Bergbaufirmen etwa, die in Kriegszeiten weniger Konkurrenz fürchten müssen.

ZEIT: Heißt das, die Ölfirmen und Minenbetreiber befeuern den Krieg?

Le Billon: So einfach ist es nicht. Viele von ihnen verletzten zwar tatsächlich Menschenrechte und befeuern den Krieg. Aber Investitionen von Unternehmen nutzen auf lange Sicht nicht nur der Förderung von Bodenschätzen, sondern manchmal auch dem Frieden. Weil sie Reichtum erzeugen, der sich in Friedenszeiten besser verteilen lässt. Im Südsudan haben die Investitionen in den Ölsektor zumindest zu einem gewissen Teil dafür gesorgt, dass die verschiedenen Parteien aufeinander zugegangen sind.

ZEIT: Die Gewinne aus dem Öl versickern aber doch meist bei korrupten lokalen Machthabern.

Le Billon: Das ist richtig. Deshalb müsste die internationale Gemeinschaft diese Gewinne besser kontrollieren. So wie in Liberia oder Osttimor, wo die UN eine Art Finanzaufsicht installiert haben. Das hat sogar einigermaßen funktioniert.

ZEIT: Gibt es noch andere Wege, mit ökonomischen Mitteln auf einen Frieden hinzuwirken?

Le Billon: Der wohl gängigste Weg ist Bestechung. In der indonesischen Provinz Aceh zum Beispiel bot die Regierung einigen Rebellenführern ein paar Hektar Land an, dann legten sie die Waffen nieder. In Afghanistan hat die CIA lokale Warlords dafür bezahlt, dass sie überlaufen. In Sierra Leone und vielen anderen Konfliktregionen gab es sogar Rebellen, die mit den ersten Verhandlungen unzufrieden waren und deshalb noch mal zu den Waffen gegriffen haben – um einen besseren Vertrag zu erreichen. Das ist der nüchterne, der ökonomische Teil von Friedensverhandlungen. Und er ist absolut üblich.