Das Geld strömt in den Kunstmarkt, nein, der Markt wird mit Geld regelrecht geflutet. Man blickt auf die Umsätze der rekordsüchtigen Auktionshäuser im Jahr 2014 zurück und weiß: Es geht immer noch ein bisschen mehr.

Nachdem Christie’s in New York im Mai die umsatzstärkste Auktion in der Geschichte des Kunstmarkts gefeiert hatte – 745 Millionen Dollar wurden da an einem Abend nur für die sogenannte zeitgenössische Kunst ausgegeben –, brach das Haus den eigenen Rekord im November gleich noch einmal: Auf der New Yorker Herbstauktion von Christie’s für Contemporary Art wurden knapp 853 Millionen Dollar ausgegeben; und für die Werke von elf Künstlern, darunter Cy Twombly und Ed Ruscha, wurden jeweils neue Rekordpreise erzielt.

Der große Konkurrent Sotheby’s setzte im November bei seinen New Yorker Abendauktionen für zeitgenössische Kunst hingegen "nur" 460 Millionen Dollar um. Dafür feierte man im Herbst die umsatzstärkste Auktion in der Geschichte des eigenen Hauses: Bei der Auktion für impressionistische und moderne Kunst betrug das Endergebnis 422 Millionen Dollar. Mit einem einzigen, einsamen Gebot von 101 Millionen Dollar (alle Preise inklusive Aufgeld) ersteigerte der Hedgefonds-Manager Steven Cohen hier eine Chariot- Skulptur von Alberto Giacometti; um Amedeo Modiglianis schließlich 71 Millionen Dollar teure Skulptur Tête hatten die Bieter immerhin heftig gekämpft.

Die beiden großen Häuser scheinen sich den Markt der extrem hochpreisigen Kunstwerke immer mehr nach Epochen aufzuteilen. Während Christie’s bei der zeitgenössischen Kunst fast doppelt so viel umsetzt wie der Konkurrent, führt Sotheby’s das Geschäft mit der impressionistischen und modernen Kunst ebenso eindrucksvoll an – Christie’s hatte während der Abendauktion in dieser Sparte im November lediglich Kunst für knapp 166 Millionen Dollar versteigert.

Die deutschen Auktionshäuser spielten auch 2014 wieder in einer sehr viel niedrigeren Preisliga. Allein der Erlös für die beiden aus dem staatlichen Kasino in Aachen stammenden, bei Christie’s New York im November trotz zahlreicher Proteste versteigerten Warhol-Gemälde Triple Elvis (82 Millionen Dollar) und Four Marlons (70 Millionen) übersteigt die Jahresumsätze der einzelnen hiesigen Häuser bei Weitem. Das Kölner Auktionshaus Lempertz etwa setzte 62 Millionen Euro um – da sind die Auktionen in ausländischen Filialen und bei ausländischen Kooperationspartnern schon eingerechnet. Die höchsten Zuschläge gab es bei Lempertz für altmeisterliche Kunst: Zwei Heiligenbilder Matteo Giovanettis kosteten 2,7 Millionen Euro, ein dem Umkreis Rembrandts zugeschriebenes Lasset die Kinder zu mir kommen, das nur auf bis zu 18.000 Euro geschätzt war, wurde in einem Bietgefecht auf 1,5 Millionen Euro hochgesteigert. Da spekulierten anscheinend mindestens zwei Bieter darauf, dass dieses Gemälde irgendwann dem Meister Rembrandt selbst zugeschrieben wird.

Bei dem Berliner Konkurrenten Villa Grisebach betrug der Jahresumsatz 46 Millionen Euro, und am erstaunlichsten waren hier die Zuschläge in der Herbstauktion für das 19. Jahrhundert, jener Sparte, die von Florian Illies betreut wird. Adolph Menzels Gouache Stehende Rüstungen von 1866 brachte 3,3 Millionen Euro – der Schätzpreis hatte bei 100.000 bis 150.000 Euro gelegen. Grisebach war stolz, hier gleich zwei Rekorde vermelden zu dürfen: Es ist nicht nur das teuerste Bild Menzels, sondern auch die teuerste je in Deutschland versteigerte Papierarbeit überhaupt.

Für Papier schienen die Sammler auf den Berliner Herbstauktionen eine besondere Kauflust zu verspüren, denn bei Grisebach wurde auch die kleine Grafik Die Frau mit dem Spinnennetz (Melancholie) von Caspar David Friedrich vom unteren Schätzpreis 10.000 Euro auf gut 900.000 Euro Endpreis hochgesteigert. Und beim Auktionshaus Bassenge spielte sich ein ähnliches Spektakel ab: Eine kürzlich aus den Staatlichen Museen Berlins restituierte Zeichnung des weitgehend unbekannten Friedrich Olivier – zwei welke Ahornblätter, entstanden in den Wintermonaten 1816/17 – wurde schließlich für 2,6 Millionen Euro zugeschlagen. Im Münchner Auktionshaus Ketterer verzeichnete man zum sechzigjährigen Jubiläum einen Rekordumsatz von 46 Millionen Euro, wobei man den Höchstpreis von 3,2 Millionen Euro ausgerechnet mit einem abstrakt-expressiven Gemälde des Japaners Kazuo Shiraga aus dem Jahr 1961 erzielte. Shiraga, Mitglied der Gutai-Gruppe, malte am liebsten mit den Füßen.