Von Paul Keres stammt der Ratschlag: "Gib nie eine Partie auf – man gibt nur Pakete auf!" Wohl wahr, wie viele Partien wurden nicht schon in Remis- oder gar Gewinnstellung aufgegeben, ich erinnere an die Wettkämpfe Mensch gegen Computer zwischen Kasparow und Deep Thought oder Kramnik und Deep Fritz, als die erschöpften Weltmeister dem ewig frischen Elektronengehirn bereits alles "glaubten". Auf seiner Website chessbase.com lässt Frederic Friedel in gewohnt freundlicher Boshaftigkeit dementsprechend all die Tücken des Schachspiels lebendig werden. Die Stellung einer Turnierpartie von vor genau hundert Jahren:

1. Ein Zuschauer flüstert seinem Freund zu: "Der schwarze Freibauer geht unweigerlich zur Dame, Weiß ist verloren!"

2. Sein Freund darauf: "Na, komm schon! Weiß spielt 1.Th7! a1D 2.Txb7+ Ka3 3.Ta7+ Kb2 4.Txa1 Kxa1 und gewinnt."

3. Am Brett studierte Weiß lange die Stellung und sagte schließlich zu seinem Gegner: "Es ist hoffnungslos! Nach 1.Th7 ziehen Sie 1...Ka5! 2.Txb7 Ka6 3.Tb8 Ka7 und bekommen eine neue Dame."

4. Sein Gegner nahm die Aufgabe an, um dann jedoch zum Schrecken des Weißen anzumerken: "Ich wollte gerade selbst aufgeben. Nach 1.Th7! Ka5 spielen Sie 2.Th8! Der a-Bauer geht verloren, und es ist vorbei."

Nun die Frage an Sie: Wer hatte recht? Oder lagen alle vier daneben? Hoffentlich wird der Weihnachtsfrieden nicht getrübt!

Lösung aus Nr. 52:

Wie kann Weiß am Zug trotz seines abgedrängten Königs sogar gewinnen?

Mit dem Vorstoß1.b6!.Schlägt Schwarz diesen Bauern mit1...axb6,so bekommt Weiß nach2.c6! bxc6 3.a6unweigerlich eine neue Dame; entsprechend bei 1...cxb6 2.a6! bxa6 3.c6