"Zoomen Sie mal ran!" Diesen Satz hört man häufig in Krimis oder Spionagethrillern – der Ermittler gibt einem Techniker diese Anweisung, der vergrößert einen winzigen Ausschnitt aus einem Satellitenbild, und plötzlich kann man die feinsten Details auf der Erde erkennen, manchmal eben auch Nummernschilder.

Das ist ein Kniff des Drehbuchautors, um Löcher in seinem Plot zu stopfen. Militärs und Spione mögen sich manchmal außerhalb der zivilen Gesetze bewegen – aber die Gesetze der Physik gelten auch für sie. Die bestimmen das Auflösungsvermögen von Teleskopen. Und Spionagesatelliten sind nichts anderes als Weltraumteleskope, die nach unten statt nach oben schauen. Unter Auflösung versteht man den Mindestabstand, den zwei Objekte am Boden haben müssen, um noch unterscheidbar zu sein. In Grundzügen sind die Spezifikationen der militärischen Satelliten bekannt – die besten aus der Keyhole-Serie haben eine Auflösung von etwa zehn Zentimetern. Das ist eindeutig nicht scharf genug, um Nummernschilder lesen zu können, zumal die ja meist nicht auf dem Dach montiert sind.

Und die Späher haben eine weitere Einschränkung, die Serienbezeichnung Keyhole (dt. Schlüsselloch) weist darauf hin: Man blickt auf einen winzigen Ausschnitt auf dem Boden, während der Satellit auf seiner Bahn über die Erdoberfläche hinwegrast. Er kann keine ausgewählten Objekte in den Fokus nehmen und länger betrachten.

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Zur lokalen Beobachtung hingegen werden schon seit einigen Jahren unbemannte Drohnen eingesetzt. Und diese können, so erklärte die amerikanische Grenzschutzbehörde bereits vor zehn Jahren, aus einer Entfernung von 24 Kilometern die Insassen von Autos identifizieren – und auch das Kennzeichen lesen.

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