Wenn alleinstehende Frauen in den Townships von Windhoek keine Arbeit finden, wenn sie kein Geld mehr haben, dann wird Sex für sie zur zweiten Währung. Sie bezahlen damit Lebensmittel, Kleidung, das Schulgeld für ihre Kinder. Viele dieser Sexarbeiterinnen leiden an Depressionen und Suizidgedanken. Hermann Klein-Hitpass, ein 74-jähriger katholischer Priester, kümmert sich um die Frauen, die oft noch Mädchen sind.

Die meisten leben in Katutura, einer Township nahe der namibischen Hauptstadt. Seit über 20 Jahren begleitet der Priester sie in ihrem Alltag. Die Geschichten, die er zu hören bekommt, handeln von Missbrauch, Vergewaltigung, körperlichen Misshandlungen. Manche der Frauen werden selbst kriminell.

Im Jahr 2005 eröffnete Klein-Hitpass in Katutura eine Tageszuflucht, finanziert durch die Kirche und private Spender. Der Priester gibt Altkleider aus, er versorgt die Frauen mit Nahrung und auch mit Milchpulver, damit HIV-positive Mütter das Virus nicht beim Stillen an ihre Babys übertragen. Er klärt über Aids auf und verteilt Kondome, obwohl seine Kirche das verbietet. "Wir geben ihnen einmal pro Woche Essen, und sie bekommen eine Bibel. Damit ihre Hoffnung am Leben bleibt", sagt Klein-Hitpass. In den vergangenen neun Jahren wurde in der Einrichtung schon über 4.700 Frauen und ihren Kindern geholfen.

Inzwischen ist Klein-Hitpass alt, und er hat gesundheitliche Probleme. Die Tageszuflucht kann er heute nur noch sporadisch öffnen. Seine Schützlinge sind besorgt um ihn. Sie fürchten, bald ihre Vaterfigur zu verlieren – einen Vater, den die meisten hier im Township-Alltag nie hatten.