Mancher Tod wirft ein Schlaglicht auf das Exemplarische des Lebens, das ihm vorausging, und beschließt so eine Biografie, die über sich hinausweist, als Geschichte einer Epoche. Ich möchte hoffen, dass einer der größten Soziologen unserer Zeit an diesem soziologischen Ansatz, sein Leben und Werk zu ehren und seinen vorzeitigen Tod zu betrauern, Gefallen gefunden hätte.

Ulrich Beck war nicht nur ein international erfolgreicher Wissenschaftler. Er war ein Bürger Europas und stand mit seinem Leben, seinem politischen Engagement, seinen soziologischen Arbeiten und seinen öffentlichen Positionen beispielhaft dafür ein. Wenn jemand die Bedeutung einer europäischen Bürgerschaft verkörperte, dann er. Er verbrachte sein Leben zwischen München und London, wurde in 35 Sprachen übersetzt, darunter die meisten europäischen, und versuchte wie kein Zweiter theoretisch zu erfassen, was sich ihm als Niedergang des Nationalstaats darstellte – und damit als Notwendigkeit, jene soziologischen Begrifflichkeiten abzustreifen, die zu eng am Nationalstaat klebten. "Zombie-Kategorien" nannte er sie, Begriffe, die auf etwas scheinbar Lebendiges verweisen, das aber in Wirklichkeit schon tot ist. Europa war für ihn nur ein Schritt auf dem Weg zu einem noch größeren Projekt: der Weltregierung und dem Verschwimmen nationaler Grenzen.

Ich erinnere mich an unsere erste Begegnung: Er war Hauptredner beim Israelischen Soziologenverband, und das soziologische Seminar der Hebräischen Universität hatte ihn zum Abendessen in einem marokkanischen Restaurant eingeladen. Während wir uns unser Lamm mit Pflaumen und Mandeln schmecken ließen, sann Beck darüber nach, ob die "Weltliteratur", von der Goethe 1827 mit Eckermann sprach, ein Vorschein der Globalisierung der Kultur gewesen war. So wie Goethe die persische Poesie bestaunt hatte, staunte Beck in Jerusalem vor seiner Tajine über die weltweite Zirkulation der Kulturen.

Ulrich Beck war somit ein Erbe der Aufklärung und ihrer Hoffnung auf eine Überwindung von Partikularismen durch gute politische Institutionen, die unweigerlich in immer stärkerem Maß alle Menschen einbeziehen würden. Genauer gesagt, verlieh er der großen Hoffnung, die die Europäische Union und die Kultur der post-1960er Jahre darstellten, theoretischen Ausdruck. Diese Hoffnung beruhte auf den neuen Möglichkeiten, die der Kosmopolitismus eröffnet hatte, nämlich die Beschränkungen von sozialer Klasse und ethnischer Zugehörigkeit in weltbürgerlicher Absicht zu überwinden.

Der Weltbürger bewegte sich frei zwischen den Kulturen, trat über Kontinente hinweg mit anderen in Verbindung und nahm mühelos die kulturellen Inhalte vieler Territorien und Gruppen zur Kenntnis. Beck schrieb dies, bevor das Internet zu einer hegemonialen Technologie wurde. In irgendeiner Weise muss es seine Theorien bestätigt haben, bildete das Netz doch den greifbarsten Ausdruck der Tatsache, dass Technologie und Globalisierung die nationalen Grenzen überwunden hatten.

Becks Vision von der Zukunft demokratischer Gesellschaften war grandios, aber nicht utopisch. Sie verdankte sich der Analyse großflächiger sozialer Strukturen und einem äußerst genauen Sinn fürs Detail, für Daten, für die Analyse der konkreten Texturen des sozialen Lebens.

Meine Treffen mit Ulrich Beck waren sporadisch, bewirkten aber, dass ich einen hervorstechenden Zug seines Denkens besser verstand. Von seinem Temperament wie von seiner intellektuellen Ausrichtung her war Beck Optimist. Er strahlte eine enorme Vitalität, Rastlosigkeit, Zielorientiertheit aus, und es muss diese elementare Lebenskraft gewesen sein, die seine enthusiastische Bejahung der eigenen Zeit leitete. Seine Arbeit quälte sich nicht mit der Möglichkeit herum, dass zur Moderne auch böse Kräfte gehörten. Seinem Denken fehlte ein Sinn für das Tragische, ein Bewusstsein für die nicht wiedergutzumachenden Verluste, die die Moderne mit sich gebracht hatte. Er verweigerte sich der düsteren Diagnose der Moderne, die die Frankfurter Schule charakterisiert hatte, bis Habermas kam.

Menschlich hatte Beck nichts von den hochtrabenden Manierismen mancher deutscher Professoren an sich, und als Gelehrter scheute er in gleicher Weise den Anschein von Tiefe, zu dem die schwarzseherische kritische Haltung mitunter verleitet. Auch die existenzielle Angst und das emotionale Pathos, wie sie die postheideggerianischen Intellektuellen gelegentlich zur Schau stellen, waren ihm fremd. Doch obwohl er ein Optimist war, blieb seine Arbeit kritisch.