Wer in Frankreich stellt sich gegen die vier Millionen Franzosen, die am 11. Januar für die Meinungsfreiheit und das Satiremagazin Charlie Hebdo demonstrierten? Nur dunkle Gestalten und die aufmüpfigen Vorstadtjugendlichen? Keinesfalls. Ausgerechnet der Franzosen derzeit liebster Autor, der Journalist Éric Zemmour, tanzt aus der Reihe. "Nein, ich bin nicht demonstrieren gegangen. Ich glaube nicht an diese zur Schau getragene nationale Einheit", sagt Zemmour an seinem Bürotisch bei der rechtskonservativen Pariser Tageszeitung Le Figaro. Seine Positionierung nach den Pariser Attentaten hat Bedeutung für ganz Europa. Zemmour gilt dieser Tage als Frankreichs wirkungsmächtigster Intellektueller. Seine Thesen vom französischen Kultur- und Identitätsverlust im Zuge der Globalisierung werden überall im Land diskutiert. Schon 400.000-mal hat sich sein Bestseller "Der französische Selbstmord" seit Oktober verkauft, an manchen Tagen gingen bis zu 5.000 Exemplare über den Ladentisch.
Eric Zemmour: Der Mann, der Frankreich spaltet
Eric Zemmour ist das Kind algerischer Einwanderer und einer der meistdiskutierten Meinungsmacher in Frankreich. Vehement bekämpft er die multikulturelle Gesellschaft. Will er wirklich viele Migranten wieder nach Hause schicken? Ein Porträt