Manchmal muss man im Lichte neuer Erkenntnisse sein eigenes Urteil revidieren, auch in dieser Kolumne. Das tue ich hiermit – und rehabilitiere gleichzeitig die Millionen von Müttern, die an einem kalten Morgen zu ihren Kindern sagen: "Zieh dich warm an, du holst dir noch den Tod!"

Vor über 17 Jahren (ZEIT Nr. 34/97) schrieb ich: "Der direkte Auslöser einer Erkältung ist stets ein Virus. Kein Virus, kein Schnupfen!" Das stimmt weiterhin – Polarforscher in der Antarktis können noch so sehr bibbern, sie erkälten sich nicht, wenn nicht gerade ein Besucher ein Schnupfenvirus eingeschleppt hat. Sind wir aber bei kalten Temperaturen empfänglicher für vorhandene Erreger? Dafür konnte ich damals keine Belege finden. In zweifelhaften Experimenten an Strafgefangenen waren US-Forscher zu ihrem Schluss gekommen, dass frierende Menschen sich nicht leichter anstecken.

Aber in den letzten Jahren haben Wissenschaftler immer mehr Indizien dafür zusammengetragen, dass der Ansteckungsprozess durchaus temperaturabhängig ist. Fühlt sich das Rhinovirus in kälterer Umgebung irgendwie wohler? Vor zwei Wochen erschien in den angesehenen Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) ein Artikel von Ellen Foxman und ihrem Team von der Universität Yale, der zeigte: Nein, es liegt nicht am Virus, vielmehr ist die Immunabwehr der Zellen der Atemwege bei 33 Grad Celsius sehr viel schwächer als bei 37 Grad, zumindest bei Mäusen. Die Folgerung: "Menschen sollten sich warm halten und sogar ihre Nase bedecken, um Erkältungen zu vermeiden."

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Jetzt ist die Modeindustrie gefordert: Spätestens in der nächsten Winterkollektion erwarten wir schicke Nasenwärmer, die uns vor dem Schnupfen schützen sollen.

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