Eine Schule für alle

Leuchttürme, arme Viertel und die Politik: Fakten zur Inklusion

Worum geht es?

Seit 2010 soll in Hamburg kein Kind mehr gegen den Willen der Eltern auf eine Sonderschule geschickt werden. Derzeit haben knapp 13.000 der 190.000 Hamburger Schüler sonderpädagogischen Förderbedarf. Nur etwa 3500 dieser Schüler haben speziellen Förderbedarf, also das, was man klassischerweise eine Behinderung nennen würde. 60 Prozent von ihnen besuchen Sonderschulen. Der Großteil der Inklusionsschüler an Grund- und Stadtteilschulen sind Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Lernen (L), in der Sprache (S) und in der emotional-sozialen Entwicklung (E), kurz LSE-Schüler. Nur ein Drittel dieser Kinder geht auf eine Sonderschule.

Wie werden die Kinder an normalen Schulen gefördert?

Für jedes behinderte Kind bekommen die Schulen die Mittel, um sieben Unterrichtsstunden in der Woche mit einem zweiten Pädagogen besetzen zu können. Ob die Schulleiter dafür Sonderpädagogen, Erzieher oder Lehrer beschäftigen und wie genau das in der Praxis aussieht, liegt weitgehend an ihnen.

Für jedes LSE-Kind können die Schulen rechnerisch 3,5 Unterrichtsstunden in der Woche mit einem zweiten Pädagogen besetzen. Hier wird das Geld allerdings nicht pro Kind, sondern nach einem festen Schlüssel zugewiesen, der systemischen Ressource: In ärmeren Stadtvierteln nimmt die Stadt an, dass jedes dreizehnte Kind förderbedürftig ist. In besser situierten Vierteln geht sie von jedem hundertfünfundzwanzigsten Kind aus. Für etwa 1000 sehr förderbedürftige Schüler gibt es zusätzliche Betreuer, sogenannte Schulbegleiter, die oft ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren und den Kindern im Unterricht helfen.

Warum gibt es jetzt Streit?

Es geht um die Mittelverteilung für die LSE-Kinder. Grundsätzlich wird die systemische Ressource von vielen Wissenschaftlern und Praktikern begrüßt, weil sie die aufwendige und oft ungenaue Gutachterei vermeidet. Gestritten wird aber darum, dass es inzwischen viel mehr LSE-Kinder gibt, als der Senat im Gesetz von 2012 annahm. Zudem ist der Schlüssel nicht gerecht, weil die LSE-Schüler teilweise regional umverteilt werden, um einzelne Schulen nicht zu überlasten.

Das Bündnis für Inklusion hat ausgerechnet, dass 315 neue Lehrer eingestellt werden müssten, damit der Senat seine eigenen Fördervorgaben einhält. Hinter dem Bündnis stehen Eltern-, Lehrer- und Schülerkammer, aber auch Gewerkschaften, Behindertenverbände und Vereine, die für gemeinsames Lernen werben. Besonders engagiert sind jene Schulen, die schon vor der flächendeckenden Einführung Inklusionsschüler aufgenommen haben. Sie galten deutschlandweit als vorbildlich, waren aber auch sehr gut ausgestattet. Sie fürchten nun um ihre guten Ergebnisse.

Was wollen die Parteien ändern?

SPD, Grüne und Linke teilen den derzeitigen Grundgedanken der Inklusion, der sich im Wesentlichen am Modell "Eine Schule für alle" orientiert. Die SPD will 60 neue Lehrer dafür einstellen, die Grünen sogar 250. Die Linke ist dafür, dass in Inklusionsklassen immer zwei Lehrer unterrichten.

Die CDU will die Inklusion in ihrer jetzigen Form weitgehend zurücknehmen. Inklusion soll es dann zunächst nur an einigen "Leuchtturm-Schulen" geben. Diese sollen bis zum Jahr 2030 schrittweise mehr werden. Fördergelder soll es nur gezielt und nur für Schüler mit entsprechender Diagnose geben. Das fordert auch die FDP, sie will Förderschulen stärken und fordert mehr Inklusionspersonal für die Stadtteilschulen.