Freie Inhalte - Kurz erklärt: Was bedeutet Open Content?

Mit einem großen "Ja, aber ..." antwortet die Stadt Köln auf diese Vision. Das "Ja" steht in einem Beschluss des Stadtrates von 2012, der festhält, dass alle Daten der Stadt prinzipiell offen sein sollen. Und deswegen nimmt sich Sabine Möwes oder ein Mitarbeiter ihrer Abteilung einmal im Monat Zeit für KölnAPI.

Das "Aber" wird greifbar, wenn Möwes geduldig beschreibt, wie schwerfällig eine Stadtverwaltung sein kann: Es müssten ja nicht nur neue Datensätze freigegeben werden, sondern auch die bereits vorhandenen. Und das dauere. Bei jedem Dokument müsse einzeln überprüft werden, ob es veröffentlicht und weiterverwendet werden dürfe. Außerdem ist da das Misstrauen in Abteilungen und Ämtern: Warum wollen die unsere Daten? Suchen die nach Fehlern in unserer Arbeit? Wenn jeder unsere Daten nutzen kann – woher wissen wir, dass die verstehen, was sie tun? Der Beschluss von 2012 ist auch Anfang 2015 noch lange nicht umgesetzt. Möwes kann nicht einmal abschätzen, wie viel Arbeit noch vor ihr liegt: Eine zentrale Übersicht aller elektronischen Dokumente der Stadtverwaltung gibt es nicht.

Steinbach und Möwes debattieren engagiert und konstruktiv. Zwei, die sich verstehen. Aber auch zwei aus verschiedenen Welten. Ginge es nach dem Open-Data-Aktivisten, müssten nicht nur die Kommunalverwaltungen offener werden: Sein Ziel ist eine bundesweite gesetzliche Pflicht zur Datenfreigabe. Steinbach erzählt sichtlich frustriert, wie er seit weit mehr als einem Jahr bei den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB) auf Granit beißt. Die Kölner Freiwilligen würden gerne eine App bauen, die in Echtzeit Verspätungen im Nahverkehr anzeigt. Das ginge nur mit direktem Zugriff auf die Daten der KVB – doch die Verkehrsbetriebe mauern. Zwar ermöglicht in Deutschland das Informationsfreiheitsgesetz, bestimmte Datensätze zu erfragen, aber dabei bleibt der Bürger Bittsteller. Herrschte das Prinzip offener Daten, müssten Behörden begründen, warum sie bestimmte Daten nicht freigeben.

Köln zeigt, dass ein Gesetz nicht die ganze Lösung ist. Sabine Möwes sieht die öffentlichen Verwaltungen vor einem gewaltigen Kulturwandel. Nicht zuletzt müssten die Beamten begreifen, dass die selbst ernannten Datenbefreier nicht ihre Gegner, sondern Verbündete seien. Dass die Umsetzung von Open Data in Köln letztendlich funktionieren wird, hält sie aber für selbstverständlich: "Es ist wie bei dem Aufbau unserer Website 1999. Da war es für viele komisch, unsere Arbeit überhaupt online zu veröffentlichen – heute wirkt das absurd. Wir müssen lernen, dass alles, was wir machen, prinzipiell öffentlich ist."

Neben diesem Kulturwandel sieht Möwes aber noch eine andere Herausforderung für Open Data: die starke Abhängigkeit von Ehrenamtlichen. So zieht sich auch Marian Steinbach nun weitestgehend aus KölnAPI zurück, das jetzt von Marcus Belledin organisiert wird. Der Grund? "Zu wenig bezahlte Arbeit, zu viel unbezahlte."