Bühne frei für eine liberale Gegenöffentlichkeit, pro Israel, pro Amerika, pro Kapitalismus, gegen die Untergangsbeschwörungen der Umweltbewegung – das war der Gründungsimpuls für das politische Blog Achse des Guten. Als es 2004 online ging, war es zunächst eine Art Flaschenpost, mit der sich eine kleine Gemeinschaft von Autoren im Umkreis des ökokritischen Duos Dirk Maxeiner/Michael Miersch und des Publizisten Henryk M. Broder in Rage schrieb. Gut gelaunt wollte man die frohe Botschaft unter die Leute bringen, dass der Wald nicht stirbt, der Kapitalismus den Hunger besiegt und Amerikas militärische Macht mit moralischer Integrität einhergeht. Achse des Guten, das war der Gegenpol zur "Achse des Bösen", als die der damalige amerikanische Präsident George W. Bush Irak, Iran und Nordkorea ausgemacht hatte.

Aus der Flaschenpost von damals ist eines der meistbesuchten politischen Blogs Deutschlands geworden. Aber ausgerechnet jetzt, da die Achse des Guten monatlich eine Million Besucher verzeichnet, verabschiedet sich einer der Gründer: Michael Miersch, 58, ist entsetzt über die Richtung, die das Blog zuletzt genommen hat. Er hat seinen einstigen Mitstreitern versprochen, über seine Kritik nicht mit anderen Journalisten zu reden, aber er hat sie auf Facebook öffentlich gemacht, wo ihm seither Hunderte früherer Leser beigesprungen sind. "Auf der Achse hat sich eine Stimmung breitgemacht", so Miersch, "die kaum noch etwas gemein hat mit der ursprünglich liberalen, weltoffenen und aufgeklärten Haltung." Nicht nur sympathisierten Achse- Autoren neuerdings mit der kulturpessimistischen Haltung der AfD und dem Ressentiment der Pegida-Bewegung. Miersch berichtet auch von hasserfüllten Leserbriefen. In ihnen werde über fremd klingende Namen gehöhnt. Leute sagten "Islamkritik" und meinten "Ich hasse alle, die anders sind als ich". Der Euro werde als "schlimmste Destruktion seit dem Zweiten Weltkrieg" bezeichnet, Deutschland als Hort der Dekadenz.

Aber der eigentliche Urkonflikt ereignete sich in einer Oktobernacht 2014. Broder hatte sich in einem Beitrag darüber lustig gemacht, dass in Berlin eine Oberstaatsanwältin zur Ansprechpartnerin für Opfer homophober Gewalt erklärt wurde. "Kleine Delikte wie Raubüberfälle ohne Verletzte werden nicht verfolgt", hatte Broder geschrieben. "Bei Tätern mit Migrationshintergrund wird die Herkunft bewusst verschleiert. (...) Sowohl bei der Polizei wie bei der Justiz fehlt es an Personal. Überall? Nein, nicht überall." Miersch nahm den Text vom Blog, Broder setzte ihn wieder drauf, Miersch distanzierte sich in einem eigenen Eintrag: "422 Fälle von Gewalt gegen Homosexuelle wurden innerhalb eines Jahres in Berlin angezeigt", schrieb er wütend. "Wer, wie Broder, der Meinung ist, man solle sich lieber vermehrt um Eigentumsdelikte oder Hütchenspieler kümmern statt um zusammengeschlagene Schwule, hat ein ziemlich perverses Gerechtigkeitsempfinden."

Broder reagiert auf die Vorwürfe zurückhaltend. "Was ihn reitet oder geritten hat", sagt er über Mierschs Abschied, "weiß ich nicht, und es ist mir auch egal. Ich bin nicht sein shrink. Dirk und ich machen jedenfalls weiter und wünschen Michael nur das Beste." Miersch habe sich bei ihnen nie über die politische Ausrichtung oder eine Zensur seiner Ansichten beschwert, sagt Broder. "Wir haben ein sehr breites Meinungsspektrum. Einseitig sind wir nur, wenn es um den deutschen Antiamerikanismus, Antisemitismus und die Energiewende geht. Auch daran hat sich Michael nie gestört, im Gegenteil." Miersch wolle sogar weiter Gesellschafter der "Achse des Guten" bleiben.

Mit seinem Hohn über "linke Schlampen", über Schwule, das längst islamisierte Deutschland und das "parasitäre Pack" von Gutmenschen ist Broder und seinem Mitstreiter Maxeiner nun ein Beifall sicher, den sie mit dem ursprünglichen Kreis freiheitsliebender Heimatloser nie erreicht hätten.