Worum geht es in der aktuellen ZEIT? Was sind die wichtigsten Themen? Diese stellen ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo und der stellvertretende Chefredakteur Bernd Ulrich Ihnen hier vor.

Hauptsache dagegen – das scheint von Athen bis Dresden die neue Parole zu sein. Gegen Brüssel, gegen die Medien, gegen "das System". Der Wahlsieg des radikalen Linken Alexis Tsipras, seine Koalition mit Rechtspopulisten und die nicht enden wollenden Pegida-Demonstrationen in Dresden haben uns zu der neuen Titelgeschichte über diese grenzüberschreitende Abwendung vom Establishment gebracht. Spektakulär dabei: das Streitgespräch zweier konservativer Euro-Kritiker, die aber in gegnerischen Parteien sind: Peter Gauweiler, der CSUler, und Alexander Gauland von der AfD. Sie loten aus, wo "das System" endet und wo die Fundamentalopposition beginnt.  

Höchst irritierende Erfahrungen hat Caterina Lobenstein bei ihrer Recherche zur neuen Mittelstandsvereinigung der AfD gemacht. Vernünftig wirkende Unternehmer, Anwälte oder Ärzte, die früher CDU oder FDP gewählt haben, bekennen sich nun zu den Populisten von der AfD und fragen unsere Autorin allen Ernstes, wann denn ihr Artikel von der Chefredaktion zensiert werde. Was glauben diese Menschen, wie es bei uns zugeht?

Andere verabschieden sich nicht politisch von der Mehrheitsgesellschaft, sondern mithilfe von Drogen. Das Dossier beschreibt, wie die hochgefährliche Modedroge Crystal Meth die deutsche Provinz erobert, um dort angeblich die Langeweile zu besiegen. Dass auch mitten in der Mehrheitsgesellschaft von der Droge Gebrauch gemacht wird, zeigt dabei der Fall Hartmann. Auch er, der Bundestagsabgeordnete von der SPD, hat Crystal Meth konsumiert. Ebenfalls aus Langeweile?

Im Magazin erzählt Martin Walser von einer äußerst ungewöhnlichen literarischen Entdeckungsreise. Er begab sich auf die Spurensuche nach dem Mann, der in Walsers Bestseller "Die Verteidigung der Kindheit" Alfred Dorn hieß und im richtigen Leben Manfred Ranft war, ein manischer Sammler, der die Dresdner Bombennacht von 1945 mit durchlitten hat. Endlich mal eine andere Geschichte aus Dresden.

Moritz von Uslar geht im Feuilleton einer Frage nach, die so manche Eltern beunruhigen dürfte. Warum läuft eigentlich in deutschen Kinderzimmern dieselbe Rap-Musik, auf die auch die islamistischen Kämpfer des IS abfahren? Gibt es da handfeste Gemeinsamkeiten zwischen zwei gewaltbereiten Kulturen oder handelt es sich nur um Ironie und das Missverstehen von Ironie?

Nicht zuletzt führen wir unsere Debatte über die Allgemeinbildung fort. Sie wurde von einer Schülerin losgetreten, die von sich behauptet, sie könne Gedichte in vier Sprachen analysieren, aber keine Steuererklärung verstehen. Ulrich Greiner hatte gegen dieses Denken den Wert der Lyrik und der Allgemeinbildung verteidigt, nun entgegnet ihm der junge deutsche Harvard-Dozent Yascha Mounk: Nein, diese Allgemeinbildung ist von gestern. Manch einer wird sich erschrocken fragen: Bin ich es dann auch?

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