Der Ausdruck "Säufernase" ist äußerst uncharmant und auch unfair. Das Phänomen hat einen wissenschaftlichen Namen: Die aufgedunsene, von roten und blauen Äderchen durchzogene Knollennase, die vor allem älteren Männern wächst, wird "Rhinophym" genannt. Und sie ist kein sicheres Zeichen dafür, dass ihr Träger Alkoholiker ist.

Das Rhinophym ist eine Ausprägung der Rosacea, einer erblich bedingten chronischen Hautentzündung. Zwei bis fünf Prozent der Erwachsenen leiden darunter. Die Krankheit äußert sich ansonsten vor allem durch Rötungen der Haut im Gesicht, später auch durch eitrige Pickel. Bei manchen Menschen, eben vor allem bei Männern im gesetzten Alter, können sich dann die Talgdrüsen in der Nase knotenartig verdicken, das Gewebe wächst wie ein Blumenkohl. Auch uneitlen Menschen kann diese Knollennase psychische Probleme bereiten.

Die Rosacea ist nicht heilbar. Das Einzige, was die Betroffenen zunächst tun können, ist, die auslösenden Reize zu meiden. Dazu gehören intensive Sonnenbestrahlung, scharfe Gewürze und heiße Getränke, aber auch starker Stress. Alkoholgenuss kann die Krankheit verstärken – er ist aber keinesfalls der Auslöser. Selbst totale Abstinenzler können von der "Säufernase" befallen werden.

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Ist das Rhinophym einmal da, ist der einzige Behandlungsweg kosmetischer Natur. Der Hautarzt kann die Hautverdickungen mechanisch abfräsen und damit das Bild der Betroffenen ein wenig aufbessern. Sie haben durch die Entstellung im Gesicht schon genug Probleme – man sollte sie nicht auch noch fälschlicherweise als Schluckspechte bezeichnen.

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