Als Cannabis 1972 dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt wird, hat das Gewächs eine lange Geschichte als Heilmittel hinter sich. Denn Cannabis sativa, so der lateinische Name, ist eine erstaunliche Pflanze.

So galt sie im alten China als "Lacherreger" und wurde für Tinkturen gegen Hühneraugen verwendet. Ihre Fasern verarbeitete man zu Stoffen und Seilen, ihre Samen waren eine Nahrungsergänzung, der Blätterextrakt besaß eine wohltuende Wirkung. Im Mittelalter wurde Cannabis gegen Husten, Gelbsucht und Gicht eingesetzt.

Orientreisende brachten im 17. Jahrhundert den indischen Hanf nach Europa, der aufgrund seiner stärkeren psychoaktiven Wirkung anfangs auf Skepsis stieß. Doch die Behandlungserfolge des Arztes William O’Shaughnessy, der in Britisch-Indien arbeitete und die krampflösende Wirkung des indischen Hanfs betonte, etablierten das Cannabis indicus als Heilpflanze in Europa.

Um 1900 erreichte die Cannabis-Forschung ihren vorläufigen Höhepunkt. Pharmafirmen stellten Rohstoff und Cannabis-Präparate her. Sie wurden gegen Krämpfe, Schmerzen, Appetitlosigkeit bei Schwerkranken und als Schlafmittel eingesetzt.

Nach 1950 verlor Cannabis als Heilmittel an Bedeutung. Es wurde durch synthetische Therapeutika ersetzt. Zudem scheiterte die Herstellung eines standardisierten Cannabis-Präparats, das pharmakologisch untersucht werden konnte. Der politische Druck, es als Rauschmittel zu klassifizieren, gipfelte 1961 in der UN-Konvention gegen narkotische Drogen, die zum Verbot der Cannabis-Mittel in den unterzeichnenden Staaten führte.

Mehrere Länder, auch Deutschland und die Schweiz, kennen jedoch Ausnahmeregelungen, die die Forschung mit Cannabis ermöglichen. Daher weiß man, dass die Pflanzen je nach Klima charakteristische Kombinationen von bis zu 66 verschiedenen Cannabinoiden enthalten. Dazu kommen rund 450 weitere Inhaltsstoffe wie ätherische Öle. Wichtigste Cannabinoide sind trans-Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC) und das Cannabidiol (CBD). THC ist für die Rauschwirkung verantwortlich, CBD wirkt beruhigend und unterstützt die schmerzlindernde Wirkung des THC.

Noch heute gibt es Medikamente, die auf Cannabis oder den Inhaltsstoffen THC und CBD basieren. Ölige THC-Lösungen (Dronabinol) können von Ärzten mit Ausnahmebewilligung verschrieben werden. Dronabinol ist ein Einzelstoff aus der Pflanze. Viele Patienten machen jedoch deutlich bessere Erfahrungen mit der komplexen Mischung des natürlichen Cannabis. Seiner Rückkehr zum früheren Ruhm steht aber noch einiges im Weg.