Da staunte der französische Kollege, der mit Udo Lindenberg Kontakt aufnehmen wollte: Das gehe nur über dessen Hotel, erfuhr er, und zwar per Fax. Was er dann sofort twitterte.

Wissen Sie noch, was ein Fax ist? Wenn Sie noch wissen, wer Udo Lindenberg ist, dann bestimmt. Allen anderen sei mitgeteilt: Das sogenannte Faxgerät ist ein Kasten aus Plastik und Metall, verbunden mit einer Festnetzleitung (wissen Sie wenigstens noch, was das ist?), aus dem ab und zu ein Blatt Papier herauskriecht. Darauf stehen Zeichen, die anderswo auf ein anderes Papierblatt gemalt wurden, das ebenfalls in ein Faxgerät gesteckt wurde. Zauberei.

Jedenfalls kam es uns Ende der siebziger Jahre so vor. Wir saßen vor dem Fernkopierer, so hieß das Ding, und warteten, bis sich ein Blatt herausgequält hatte. Wir hätten währenddessen Kaffee kochen und die Wohnung putzen können, außerdem noch die des Nachbarn, aber der Vorgang war zu faszinierend, als dass wir den Blick von ihm hätten wenden können. Faxe waren wie Kassiber.

Der erste "Kopiertelegraph", noch so ein Wort, brizzelte bereits im Jahr 1843 Zeichen von A nach B. Das war übrigens das Problem: Es gab nur A und B, allenfalls noch C. Immer neue Faxtechnologien, aber zu wenige Kunden, das Fax hob und hob nicht ab – bis das Telefonnetz digitalisiert wurde. Der Netzeffekt setzte ein, und plötzliche faxte die halbe Welt. Ein, vielleicht zwei Jahrzehnte lang, und dann machte das Internet mit den Faxen schon wieder Schluss.

Weitgehend jedenfalls. Manche glauben noch immer, Faxe seien seriöser und sicherer als E-Mails, wegen der Papierform. Als wenn sich E-Mails nicht ausdrucken und Faxverbindungen nicht anzapfen oder kapern ließen. Im Rechtsverkehr jedenfalls bieten Faxe kaum Vorteile.

Wir wissen nicht, was die Motive Udo Lindenbergs sind, oder die von Bernie Ecclestone und Karl Lagerfeld, zwei anderen prominenten Faxbenutzern. Jedenfalls profitieren sie von Vorteilen, die für obsolete Technologien charakteristisch sind: Erstens bauen sie eine Barriere, denn es ist mühevoller, jemandem ein Fax zu senden als eine E-Mail, eine SMS oder einen anderen Digitalfetzen. Zweitens verschaffen sie einen Distinktionsgewinn, denn es stellt heutzutage etwas Besonderes dar, nur via Fax erreichbar zu sein. Wir lernen: Alte Technik vergeht nicht, sie ändert bloß ihre Funktion.