Am Dienstagabend rief das Auktionshaus Sotheby’s in London das Los mit der Nummer 21 auf: ein Bild von Claude Monet, Die Pappeln in Giverny, geschätzt auf 14 bis 18 Millionen Dollar. Eingeliefert hatte es, was die Sache interessant macht, das Museum of Modern Art in New York. Gefragt, warum um alles in der Welt das Museum seinen Monet verkaufe, antwortete es, dieser Monet sei ein Beispiel eines frühen impressionistischen Stiles, der nicht in das Sammlungsprofil des Hauses passe. Man werde daher den Verkaufserlös dafür verwenden, spätere Werke hinzuzugewinnen und Lücken zu schließen.

Im Jahr 2006 wollte das Kaiser-Wilhelm-Museum in Krefeld ebenfalls einen Monet verkaufen, den es mangels vergleichbarer Arbeiten fast nie zeigte, sondern lediglich zu Sonderausstellungen im Ausland umherschickte. Also beschloss man, sich davon zu trennen, um Geld für die Anschaffung passenderer Werke sowie für Reparaturen am Haus zu haben, die der Kommune zu teuer waren. Doch das Unternehmen scheiterte. Ausverkauf des kulturellen Erbes!, riefen die einen, Verlust unserer Identität! die anderen. Wann immer publik wird, dass ein deutsches Museum ein Stück verkauft oder dieses vorhat, scheint das Ende der Kulturnation zum Greifen nahe.

Das hat zum Teil damit zu tun, dass unsere Museumssammlungen anders als in den USA in der Regel von der öffentlichen Hand, also den Bürgern, besessen werden, man diesen im Fall eines Verkaufs also etwas wegnimmt, was nie gut ankommt. Ein weiterer Grund ist der konservative Reflex, der immer greift, wenn der Abschied von etwas ansteht, an das man sich gewöhnt hat. Jeder, der seinen Schrank ausmistet, kennt das Phänomen, und, ja, auch die wunderschöne Hose, in die man seit Jahren nicht mehr hineinpasst, gehört ja irgendwie zu einem dazu, zu einer schlankeren Vergangenheit. Es fällt schwer, sich von etwas zu trennen, und das gilt erst recht für die Kunst. Doch wer nie ausmistet, hört irgendwann auf zu sammeln und beginnt zu horten.

Bei Kunstwerken kommt hinzu, dass sie teuer sind. Die Kunst sei kein Spekulationsobjekt, belehrte Kulturstaatssekretärin Monika Grütters die Spiel- und Landesbanken Nordrhein-Westfalens, die ihre Sammlungen versilberten oder dies vorhatten; dagegen sprechen zwar die 151 Millionen Dollar, die Sammler für zwei Warhols zu zahlen bereit waren, allerdings kann man die Kunstsammlung von Casinobetreibern oder ehemaligen Landesbanken nicht mit der eines Museums vergleichen, auch wenn beide der Öffentlichkeit gehören. Banken und vor allem Casinos sind ja selbst Spekulationsspezialisten. Sie nehmen ihren Kunden Geld ab, und damit die das nicht so merken, schmücken sie die Wände mit Kunst. Ein Museum dagegen kann nicht einfach seine Sammlung oder einzelne Werke daraus verhökern, wenn es finanziell klemmt. Denn dessen Daseinszweck besteht ja darin, die Kunst zu pflegen, zu erforschen und sie dem Publikum zu zeigen.