Dieses Mal wurde kein medizinischer Grund vorgeschoben: Die öffentliche Auspeitschung des saudischen Bloggers Raif Badawi wurde vergangenen Freitag zum dritten Mal verschoben. Nach den ersten 50 Schlägen hatten Ärzte zunächst zweimal eine Aussetzung der Folterstrafe empfohlen. Aber vergangene Woche wurde Raif Badawi nicht ärztlich untersucht. Eigentlich soll der Blogger jede Woche 50 Peitschenhiebe erhalten, 20 Mal – weil er eine Website gegründet hat, auf der er sich traute, die Religionspolizei zu kritisieren, und dafür plädierte, den Glauben anderer zu respektieren. Eine Mitgründerin der Seite, Suad al-Schammari, wurde nun nach drei Monaten freigelassen.

Die internationale Kritik wird seit der ersten Auspeitschung Anfang Januar lauter: Im Bundestag stellten Grüne und Linke Anträge gegen die Folterung von Badawi. Medien kritisierten nicht nur die Saudis für die Strafe, sondern prangerten auch die Reaktionen westlicher Politiker an. In den USA fragten Journalisten, warum Präsident Barack Obama zwar zum Begräbnis von König Abdullah reiste, nach dem Anschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo aber nicht zum Trauermarsch nach Paris gekommen war. Obama und der britische Premier David Cameron wurden dafür angegriffen, sich einschmeicheln zu wollen und die Menschenrechte außen vor zu lassen.

Das Auspeitschen am Freitag wäre die erste öffentliche Folter gewesen, seit der neue König Salman den Thron bestiegen hat. Der Machtwechsel könnte die Möglichkeit bieten, Saudi-Arabien zu reformieren. Eine Folterstrafe signalisiert das Gegenteil. Also hat König Salman in einem Dekret angekündigt, Gefangene zu begnadigen, aber wer darunterfällt, ist noch unklar. Das Dekret sieht etliche Ausnahmen vor, König Salman schließt etwa Mörder und Geldwäscher aus, aber auch Verurteilte, die der nationalen Sicherheit geschadet haben sollen. Womöglich kommt Raif Badawi deshalb für die Amnestie nicht infrage.

Über den Zustand des Bloggers ist derzeit kaum etwas zu erfahren. Seine Ehefrau Ensaf Haidar sagte, dass es ihm seit den ersten Peitschenschlägen noch immer schlecht gehe. Genaueres über seinen Gesundheitszustand kann Raif Badawi wahrscheinlich nicht erzählen. Seine Telefongespräche sind auf wenige Minuten begrenzt – und werden wohl abgehört.

Beobachter gehen davon aus, dass König Salman die Gefangenen nicht ohne Zugeständnisse begnadigen wird. Badawis Mitstreiterin Suad al-Schammari unterschrieb vor ihrer Freilassung eine Erklärung, dass sie sich künftig zurückhalten werde. Mit einigen Gefangenen wurden bereits Gespräche über ihre Amnestie geführt; mit Raif Badawi bislang noch nicht.