Der Frost, so heißt es bei Temperaturen unter null, hat uns fest im Griff. Väterchen Frost also – wobei das Diminutiv nicht recht zu den frierenden Obdachlosen oder auf dünnem Eis Teilzeitgestrandeten passen will. So erfriert der eine an Land, der andere, weil er sich auf das Halbgefrorene begeben hatte, im Wasser.

Kein Väterchen des Thermometers, sondern den Vater im Himmel hat wohl Reverend Robert Walker im Blick. Ein Gottesmann als Eistänzer: Auf dem Duddington Loch, so informiert uns der Text zum 1795 entstandenen Bild des schottischen Malers Henry Raeburn, gleitet dieser Pfarrer in eleganter Gelassenheit über das Eis. Unter ihm der zuverlässig gefrorene See, hinter ihm die verhangene, leicht bergige Landschaft, über ihm der gleichermaßen verhangene Himmel, vor ihm die Endlichkeit, für die sein Glaube Steigerungsmöglichkeiten im Angebot hat.

Die Szene ist vom Winterlicht leicht illuminiert. Und nichts Bedrohliches nirgends in dieser kühlen Einsamkeit. Sondern ein selbstbewusstes Vertrauen in den eigenen Auftritt, das aus dem geradeaus gerichteten Blick, den entspannt untergeschlagenen Armen und dem sicheren Schlittschuhschritt dieses Herrn spricht. Er ist in voller Amtstracht, weil er offenbar vor oder nach dem Gottesdienst die Schlittschuhe angezogen hat.

Apropos: die Kirche und der Wintersport. Papst Johannes Paul II. hatte sich ja gern und selbst im hohen Alter noch auf die Skier gestellt. Und unser ehemaliger Papst, ein echter Bayer, ist früher gewiss auch mal den Hang heruntergewedelt. Selbst wenn es keine Kunstdokumente von diesen sportiven Ereignissen gibt, so darf man von der kleinen interkonfessionellen und Jahrhunderte übergreifenden Winterolympiade doch vermuten, dass der schottische Reverend Sieger aller Disziplinen und Benotungen ist – erhaben über jede Konkurrenz.