Anm. d. Red.: Die Piloten Bertrand Piccard und André Borschberg sind zur ersten Weltumrundung in einem solarbetriebenen Flieger aufgebrochen. Sie hoben am Montag, den 9. März, mit ihrem Flugzeug Si2 in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten ab.

Sponsoren-Logos überziehen das kuriose Fluggerät, als wäre es ein Formel-1-Bolide. Nur die Oberseite der gewaltigen Tragflächen musste zwangsläufig werbefrei bleiben. Hier erzeugen 17.000 Solarzellen die Antriebsenergie der "Solar Impulse". Kein Tropfen Kerosin wird verbrannt, wenn sie, wie geplant, am 1. März von Abu Dhabi aus zur Weltumrundung aufbricht, zur ersten Weltumrundung mit einem Solarflugzeug. In zwölf Etappen soll es über Indien, China, die USA und Nordafrika zurück auf die Arabische Halbinsel gehen.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT No 7 vom 12.02.2015.

Die weiten Strecken bei der Überquerung von Pazifik und Atlantik bringen Technik und Piloten dabei an die äußersten Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Fünf Tage und Nächte ohne Druckkabine und Heizung in eisiger Höhe über dem offenen Meer – die damit verbundene Lebensgefahr sorgt für Nervenkitzel. Aber ohne den hätte es Bertrand Piccard nie geschafft, genügend Sponsoren für sein 150 Millionen Euro teures Flugabenteuer zu gewinnen.

Der Schweizer Psychiater kennt das Spiel mit der Lebensgefahr genau. Schon sein Großvater Auguste wurde in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit den höchsten Aufstiegen in einem Stratosphärenballon berühmt. Sein Vater Jacques erreichte im selbst gebauten Tauchboot den tiefsten Punkt des Ozeans. Und Bertrand feierte seinen Weltrekord 1999 mit der ersten Nonstop-Erdumrundung im Ballon. Die Weltreise im Solarflugzeug sieht der Mittfünfziger jetzt als Werbetour für die ungeahnten Möglichkeiten erneuerbarer Energien. Sein Flugzeug sei dafür "das beste Vehikel, weil es spektakulär und spannend ist". Mit der Zukunft der Luftfahrt hat die sympathische Aktion allerdings wenig zu tun.

Unter Piccards Sponsoren ist kein einziger Flugzeugbauer. Die Industrie hat sich längst von der Idee eines Solarantriebs verabschiedet. Das hat einen physikalischen Grund, an dem auch künftige technische Verbesserungen nichts ändern können. Obwohl die Spannweite der mit Solarzellen bestückten Tragflächen größer ist als bei einem Jumbojet, leisten die Elektromotoren der Solar Impulse mit der eingesammelten Sonnenenergie im Durchschnitt gerade einmal 15 PS, nicht mehr als der Antrieb eines Motorrollers.