Das Frauenministerium setzt in einer Broschüre neue Maßstäbe. Es geht diesmal nicht um die hier übliche fatale Einkommensschere, nein, es geht um Steinigungen. Diese hier eher selten angewandte Spielart der Strafjustiz wirkt "... auf den ersten Blick nicht wie eine genderspezifische Gewaltform", heißt es. Dachten wir uns auch, doch dann werden wir eines Besseren belehrt. Frauen würden nämlich bei dieser Tortur benachteiligt, da sie bis zur Schulter eingegraben werden, Männer nur bis zur Hüfte. Der Laie wird nun einwenden, dass dadurch die Trefferquote bei Männern höher liegen müsste. Mag sein, aber es gibt sozusagen eine Hintertür. Wer sich befreien kann, darf mit einer Begnadigung rechnen. Und das ist sicher bei der Hüftvariante einfacher. Es ist wichtig, dass sich Österreich für eine gendergerechte Steinigung stark macht. Lediglich die Zielsetzung müsste klarer formuliert werden. Sollen jetzt alle Delinquenten nur bis zur Hüfte oder doch bis zur Schulter eingegraben werden? Und sollte man nicht auch gleich die Benachteiligungen bei den Steinigern ausgleichen? Wäre es nicht eher im Sinne der Sache, wenn Frauen aus kürzerer Distanz als Männer werfen dürften?

Zweifellos gibt es bei dieser Art der Bestrafung noch Optimierungsbedarf. Doch wird bei aller Euphorie ein wichtiger Punkt vergessen. Selbst gendergerechte Steinigungen sind nicht immer der richtige Weg. Oft werden dabei Unschuldige sprichwörtlich getroffen. Wie bei der Einkommensschere. Und dabei ist es fast egal, ob man bis zur Hüfte oder Schulter im Schlamassel steckt. Mögen diese heimischen Qualen weniger spektakulär sein, genderspezifisch sind sie allemal.