Ein Prozess, der süchtig machen kann: Glanz und Abgründe des Kunstmarkts, ein Epos über Geld und schöne Bilder, Freundschaft und Täuschung, berühmte Künstler und reiche Unternehmer. Im Zentrum der Handlung die Geschichte des bekannten Kunstberaters Helge Achenbach, sein machtvoller Aufstieg und sein tiefer Fall.

Der Star dieses Prozesses ist aber der Vorsitzende Richter, Johannes Hidding. Nicht weil er sich durch herrische Gesten oder lockere Witze produziert, im Gegenteil, er ist zurückgenommen, sachlich und höflich. Konzentriert und unerbittlich stellt er die richtigen Fragen und forscht so dem mutmaßlichen Betrug nach. Jeder Prozesstag bringt neue Wendungen und Überraschungen, die Bühne ist der große, hohe Gerichtssaal 101 im Landgericht Essen, wo zuletzt auch gegen den Manager Thomas Middelhoff verhandelt wurde. Ein moderner Raum, holzverkleidet und mit einer breiten Fensterfront, durch die jetzt die erste Frühlingssonne hell auf die Zeugen und Angeklagten scheint. Auf der Anklagebank sitzen Helge Achenbach und sein mitangeklagter Exkompagnon Stefan Horsthemke mit ihren insgesamt vier Anwälten. Ihnen gegenüber hat ganz allein die junge Staatsanwältin Valeria Sonntag Platz genommen. Am Kopfende thronen die drei Richter, zwei stoisch schauende Schöffinnen und eine Protokollantin.

Was bisher geschah: Der Kunstberater gestand gleich am zweiten Prozesstag, den inzwischen verstorbenen Aldi-Erben und Milliardär Berthold Albrecht beim Kauf von Kunstwerken und Oldtimern teilweise nicht nur die vereinbarten fünf beziehungsweise drei Prozent berechnet zu haben, sondern zusätzlich auch hohe verdeckte Margen. Achenbach gab zu, Rechnungskopien von Galerien frisiert zu haben. Er nennt sie "Collagen". Stefan Horsthemke streitet jede Schuld ab. Es geht um viele Millionen Euro.

Richter Hidding ist so korrekt wie seine streng gescheitelte Frisur. Parteilichkeit kann man ihm nicht vorwerfen, immer offen, vernimmt er die Zeugen, manche von ihnen stundenlang. "Wie funktioniert das nun genau mit den Auflagen bei den Fotografien von Andreas Gursky?", fragte er vergangene Woche die Zeugin Philomene Schmidt-Garre, geborene Magers, die zusammen mit Monika Sprüth eine der erfolgreichsten Galerien in Deutschland betreibt.