Ich denke an die Hände einer jungen Frau aus Tarsus. Ich bin unterwegs, um ihren Eltern mein Beileid auszusprechen. Während der Fahrt schaue ich immer wieder auf meine Hände, die das Lenkrad umfassen. Ich bin nervös, obwohl ich in Tarsus aufgewachsen bin. So wie Özgecan Aslan.

Özgecan Aslan war 19 Jahre alt, als sie ermordet wurde. Sie stieg am Abend des 11. Februar in einen Minibus. Sie war der letzte Fahrgast. Der Fahrer versuchte sie zu vergewaltigen, sie wehrte sich. Zuerst würgte er sie, dann stach er auf sie ein. Mehrfach. Bevor sie ihren letzten Atemzug machte, schnitt der Mann ihre Hände ab. Dann verbrannte er ihren Leichnam und ließ ihn in einem Flussbett liegen. All das geschah in einer anatolischen Stadt an der Südküste der Türkei, in der Provinz Mersin, unserer Heimat. Frauen wie Özgecan oder ich hätten uns hier sicher fühlen müssen. Doch wir sind mit dem Gefühl aufgewachsen, von potenziellen Tätern umgeben zu sein.