Die Kelten sind das erste Volk nördlich der Alpen, dessen Name ein griechischer Geschichtsschreiber überlieferte. Ihre Kultur war in Mitteleuropa vom 5. bis zum 1. Jahrhundert vor Christus verbreitet. Sie heißt La-Tène-Kultur – benannt nach dem Fundort La Tène in der Schweiz.

Charakteristisch für die La-Tène-Kultur ist ihr künstlerischer Stil, mit Pflanzen und Menschen als Hauptmotiven. Die frühen Kelten übernahmen Sphingen, Gesichter und weitere Elemente von importiertem etruskischem und griechischem Kunsthandwerk und übersteigerten sie, auf Keramiken oder Metallgegenständen, zu Fabelwesen, Fratzen und Dämonen.

Die frühe La-Tène-Kultur schloss an die späte Hallstatt-Zeit an. Ihr Zentrum lag jedoch weiter rheinabwärts im Mittelrhein- und Moselgebiet mit seinen reichen Eisenerzvorkommen. Die dortigen Fürstengräber zeugen davon, dass die Ausbeutung des Erzes die Eliten reich machte. Ähnlich wie in der Späthallstattzeit sind Goldschmuck und importiertes Geschirr charakteristisch.

Starben Männer höheren Rangs, statteten die Hinterbliebenen sie wie Krieger mit Schwert und Lanze, Helm und Schild aus. In ihren Gräbern entdeckten Archäologen auch zweirädrige Streitwagen. Vor einigen Jahren erst kam das Fürstengrab vom Glauberg in Hessen zum Vorschein. Eine 350 Meter lange Prozessionsstraße führt zu ihm hin: Auf ihr hatten die Kelten offenbar den toten Fürsten zur letzten Ruhestätte geleitet. Auf der Spitze seines Grabhügels stand eine Kriegerfigur aus Sandstein; sie stellt vermutlich den Verstorbenen selbst dar.

Die Gründe, warum die Kelten von 400 vor Christus an auf Wanderschaft gegangen waren, kennen wir nicht. Im Jahre 385 fielen sie in Rom ein und begannen Oberitalien zu besiedeln. 335 vor Christus trafen sich keltische Fürsten mit Alexander dem Großen in Makedonien. Später plünderten die Kelten Delphi, das berühmteste Heiligtum Griechenlands. Anfang des 3. Jahrhunderts vor Christus setzten sie nach Kleinasien über, wo sie unter der Bezeichnung Galater bis in die römische Zeit fortlebten.

Während der La-Tène-Zeit löste das Eisen in nahezu allen Bereichen endgültig die Bronze als dominierenden Werkstoff ab. Vor allem Raseneisenerz wurde in Mitteleuropa gewonnen und verarbeitet. Dieses Erz war mit der Klimaerwärmung nach der letzten Eiszeit entstanden: Das Eisen in Mineralböden und Mooren hatte sich damals aufgrund von bodenchemischen Prozessen unmittelbar unter der Oberfläche abgesetzt. Diese Schichten waren bis zu einem Meter dick, man konnte sie leicht abbauen.

Nach den Wirrungen der Wanderungszeit konsolidierte sich das keltische Leben. Im 2. und 1. Jahrhundert vor Christus entstanden in Mitteleuropa an verkehrsstrategisch wichtigen Kreuzungspunkten befestigte Großsiedlungen. Caesar nannte sie "Oppida". Das von den Archäologen am besten erforschte Oppidum Süddeutschlands liegt in Manching bei Ingolstadt an einem Altarm der Donau. Weitere Oppida sind aus vielen Teilen Mitteleuropas von Frankreich bis Westungarn bekannt, weshalb man auch von der Oppida-Zivilisation spricht. Für die Bevölkerung größerer Gebiete waren diese Siedlungen der Stammesmittelpunkt, sie waren Wirtschafts- und Kultzentren.

Im Zentrum eines Oppidums lagen öffentliche Gebäude und Tempel, der Großteil der Bebauung bestand jedoch aus Gehöften. Auch fanden sich bisweilen Ackerfluren innerhalb der Ummauerung. Um die in den Zentren lebende Bevölkerung ernähren zu können, revolutionierten die Kelten den Ackerbau. Sie erfanden die eiserne Pflugschar und die Sense. Die modernen Geräte erleichterten die Aussaat, und das Getreide ließ sich bodennah abmähen. Mit Drehmühlen ließen sich größere Mengen von Getreide zu Mehl verarbeiten.

Ferner produzierten die Kelten das älteste Münzgeld Mitteleuropas. Im 3. Jahrhundert vor Christus hatten Söldner hellenistische Münzen aus dem Süden mitgebracht. Die Kelten imitierten sie, übernahmen deren Gewichteinheiten und Größen, vereinfachten aber die Münzbilder. Umgehend ließen sich davon Betrüger inspirieren: Falschmünzer ummantelten lediglich wertlose Bronzekerne mit Silber oder Gold.

Auch in ritueller Hinsicht entwickelten sich die Menschen weiter. In Süddeutschland entstanden Viereckschanzen, von Wall und Graben umgebene quadratische oder rechteckige Areale. Im Innern der Einfriedung gab es tiefe Opferschächte und quadratische Kultbauten, andere wiesen eine Bebauung mit Gehöften auf. Deshalb interpretieren Forscher sie als leicht befestigte Landsitze.

Im Verlauf des 1. Jahrhunderts vor Christus wurde das Leben in Süddeutschland unsicherer, die Welt der Oppida war im Niedergang begriffen. Dies lässt sich daran erkennen, dass in Manching in den letzten Jahrzehnten vermehrt Alteisen wiederverwertet wurde – Recycling ersetzte die kurz zuvor noch blühende Eisenindustrie.

Es scheint, als wäre die spätkeltische Oppida-Zivilisation nach und nach eingekreist worden: In Gallien standen die Römer am Rhein; von Norden drängten Germanen nach Süden, sie hielten bereits Teile Frankens besetzt. Die Marktplätze verwaisten, die Handelskontakte mit dem Süden brachen zusammen – dadurch verlor die Münzprägung ihren Sinn. Die Bevölkerung wurde spärlicher. Als die Römer im Jahre 15 vor Christus nach Süddeutschland vorrückten und die Gebiete bis zur Donau in Besitz nahmen, bestanden die Oppida schon nicht mehr.