Nach der Eroberung Galliens und des Alpenraums okkupierten die Römer 15 vor Christus das süddeutsche Voralpenland und dehnten ihr Reich bis an Rhein und Donau aus. Die Grenze sicherten sie mit Militärlagern (wie in Mainz oder Xanten), von denen aus sie Kriegszüge ins Innere Germaniens starteten. Die Versuche von Augustus, dort Fuß zu fassen, endeten jedoch in einer militärischen Katastrophe. Cherusker, angeführt von Arminius, schlugen im Jahre 9 nach Christus die Legionen des römischen Heerführers Varus im Teutoburger Wald vernichtend – ein Ereignis, das viel später von den Nationalisten des 19. Jahrhunderts zum Gründungsakt der deutschen Nation stilisiert werden sollte.

Seit mehr als hundert Jahren versuchen Forscher, den Ort, an dem Rom eine seiner schlimmsten Niederlagen erlitt, zu lokalisieren. Mit der Entdeckung von Kalkriese scheint die Diskussion beendet zu sein. Dort stieß man bei Ausgrabungen in den 1990er Jahren auf mehr als 1.000 Münzen sowie 5.000 Gegenstände von Legionären und germanischen Kriegern aus der Zeit des Augustus.

Die Befunde ergaben, dass die Schlacht von Kalkriese mit Sicherheit in den Kontext der Kämpfe zwischen Germanen und Römern gehört. Ob dort aber tatsächlich die legendäre Varusschlacht stattgefunden hat, wird sich auch in Zukunft kaum restlos beweisen lassen.

Die Römer gaben nach dieser Niederlage die Eroberung Germaniens auf. Sie konzentrierten sich auf den Ausbau der Grenze zwischen Rhein und Donau: Der obergermanisch-rätische Limes, heute Unesco-Welterbe, ist mit 550 Kilometern Länge das größte europäische Bodendenkmal.

Römische Städte waren, auch nördlich der Alpen, Zentren der Verwaltung und Verkehrsknotenpunkte. Ihre prächtige Architektur zog die Bevölkerung aus den Provinzen an. Auf den Marktplätzen herrschte lebhaftes Treiben, die Straßen waren gesäumt von Schreibstuben und Läden. Überlandleitungen und Aquädukte brachten Frischwasser an Brunnen und Wasserzapfstellen. Öffentliche Badeanstalten waren eine Mischung aus Schwimmbad, Sauna, Massagepraxis, Sporthalle und Schönheitssalon. Unterhaltung suchte man bei Gladiatorenkämpfen oder Wagenrennen im Circus.

Die Versorgung mit Nahrungsmitteln sicherten Gutshöfe auf dem Land, die villae rusticae. Als die Alemannen im späten 3. Jahrhundert den Limes überrannten und die Grenze wieder an Rhein und Donau zurückverlegt werden musste, führte der Verlust dieser Gebiete fast zum völligen Zusammenbruch der Versorgung. Einfallende germanische Verbände zerstörten immer wieder Villen – wie ein schrecklicher Fund in Regensburg-Hartingen zeigt: Dort hatte man die Leichen der getöteten Villenbewohner in den Hofbrunnen geworfen.

Bei den Germanen außerhalb des römischen Imperiums kam es während der Kaiserzeit zu einer auffälligen gesellschaftlichen Differenzierung. Dies belegen Prunkgräber. Sie enthalten römisches Importgeschirr aus Bronze sowie Münzen, Silberschmuck, Glas und Keramik. Die Bestatteten waren Krieger – sie trugen Waffen und Sporen. Offenbar handelte es sich um ehemalige germanische Söldner aus römischen Diensten. Zurückgekehrt in ihre Heimat, lebten sie den anderen – ihre gehobene soziale Stellung betonend – einen römischen Lebensstil vor.

Dies zeigt, wie Römer und Germanen eine gemeinsame Entwicklung durchliefen, die aus mehr bestand als kriegerischen Auseinandersetzungen. Dennoch sollten es schließlich die Germanen sein, die das Ende des Imperiums herbeiführten – um sogleich seine Nachfolge anzutreten.

Die Spätantike hatte mit Kaiser Diokletian begonnen. Im späten 3. Jahrhundert versuchte er, den Niedergang des Römischen Reichs zu verhindern. Er reformierte die Verwaltung und strukturierte das Heer um. Sein Nachfolger Konstantin I. vollzog zu Beginn des 4. Jahrhunderts die Teilung des Römischen Reichs. Rom blieb Hauptstadt im Westen, das von ihm 330 gegründete Konstantinopel wurde zum neuen Machtzentrum im Osten.

In Obergermanien und Rätien veränderte Rom seine Militärpolitik. Um die Grenze zu verstärken, errichtete man entlang der Linie Rhein, Iller und Donau kleinere, massivere Militärlager mit wenigen Soldaten: erste Burgen – Vorboten des Mittelalters. Bedeutende Orte wie Köln, Mainz oder Augsburg waren von Befestigungsmauern umgeben. Auf dem Land wurden die Fluchtburgen ausgebaut.

Trotz der unsicheren Zeiten hatten einige Zentren wie die römische Stadt Trier, Augusta Treverorum, in der Spätantike ihre Blütezeit. Trier wurde Kaiserresidenz. Die zuvor verschlafene Provinzstadt erlebte im 4. Jahrhundert einen sozialen, ökonomischen und kulturellen Aufschwung. Ausdruck davon sind großartige Bauwerke, von denen die Porta Nigra (das "Schwarze Tor") noch heute das Stadtbild prägt. Dennoch: Die Spätantike war die Zeit, in der die römische Zentralmacht kontinuierlich verfiel.

Von den Germanen, die damals im römischen Heer Wehrdienst leisteten, gewannen manche höchsten Einfluss. Der Ostgote Theoderich beispielsweise machte Ravenna 493 zur Hauptstadt seines oberitalischen Ostgotenreichs.

Ostgoten in Italien? Dies war bereits eine Folge jener Völkerwanderungen, die damals weite Teile Europas erschütterten und zum Untergang Roms führten.

Von allen Wanderbewegungen germanischer Stämme lassen sich jene der Langobarden am besten nachzeichnen. Noch im 1. Jahrhundert saßen sie an der unteren Elbe. Sie gelangten bis nach Westungarn, ehe sie 568 nach Oberitalien weiterzogen, wo sie ein langobardisches Königreich gründeten.

Noch weitere Wege legten die Hunnen zurück, die, aus Innerasien kommend, 375 an der Peripherie der spätantiken Welt auftauchten. Als Mörder und Plünderer brachten sie Unheil über den Kontinent. Das Eintreffen der Hunnen in der osteuropäischen Steppe gilt seither als Beginn der Völkerwanderungszeit.