Berlin, unter der Reichstagskuppel: Dreihundertfünfzig Frauen und ein knappes Dutzend Männer drängen sich beim SPD-Empfang zum Internationalen Frauentag. Mittendrin steht der Bundestagsabgeordnete Sönke Rix. Ein 39-jähriger Mann mit hellgrauen Haaren und einem runden Jungengesicht. Er hat den Abend moderiert und auf der Bühne das neue Quotengesetz gepriesen.

Ist das ein Thema hier, dass ein Mann frauenpolitischer Sprecher ist?

"Nö", sagt Rix. "Die Frauen finden es oft gut, wenn einer die Quote fordert, der davon nicht profitiert." Und die anderen Männer? Sagen nix. Jedenfalls nicht zu ihm.

Zwei Tage vorher hat der CDU-Bundestagsabgeordnete Marcus Weinberg, 47, bei einer Expertenanhörung gegen die Männerpolitik von Manuela Schwesig opponiert. Nach dem Gesetzentwurf der Bundesfamilienministerin müssen sich die Gleichstellungsbeauftragten des öffentlichen Dienstes künftig auch für Männer einsetzen, falls die irgendwo unterrepräsentiert sind. Dagegen haben die Beauftragten vor dem Brandenburger Tor demonstriert. Ihr Auftrag sei es nicht, Männer zu Jobs zu überreden, die sie gar nicht wollten, lautete die Kritik. Man müsse sich auf Führungsjobs für Frauen konzentrieren. Weinberg sieht es ähnlich. "Wenn Männer in bestimmten Berufen kaum vertreten sind, heißt das nicht, dass sie benachteiligt sind", erklärt er. Schwesig solle die Männerquote streichen.

Rix und Weinberg sind frauenpolitische Sprecher der Regierungsfraktionen. Sie verhandeln über Gesetze zur Quote, gegen sexuelle Diskriminierung oder über Auflagen für Prostituierte. Das Erstaunlichste ist, dass ihr Geschlecht in all diesen Debatten nie eine Rolle gespielt hat. Die beiden erklären das damit, dass männliche Frauenpolitiker eben in eine Zeit passten, in der Frauen das Kanzleramt und das Verteidigungsministerium führten. Außerdem sei das öffentliche Interesse an Gleichstellungsthemen inzwischen groß. Frauenpolitik wird Männersache, weil sie wichtiger wird.

Schon vor dreißig Jahren gab es einflussreiche Frauen- und Familienpolitiker, wie den CDU-Mann Heiner Geißler oder den Sozialdemokraten Friedhelm Farthmann. Der erklärte nach seiner Ernennung zum Frauenbeauftragten forsch, den Job schaffe auch ein Mann, der Umweltbeauftragte sei schließlich auch kein Baum. Doch die beiden hatten noch andere Aufgaben, Geißler etwa war Gesundheitsminister. Später reklamierten Frauen das Feld für sich. Heute tragen Rix und Weinberg dazu bei, dass die Frauenpolitik von Regierung und Parlament kaum noch von alten Feminismus-Debatten geprägt wird.

Beide Männer sind Pädagogen und Väter von Söhnen. Weinberg war Lehrer an einer katholischen Schule in Hamburg-Wilhelmsburg, Rix ist Erzieher und arbeitete zuletzt in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen. Er ist ein Vertrauter von SPD-Parteivize Ralf Stegner und ging 2005 als knapp Dreißigjähriger nach Berlin.

Weinberg lebt mit seinem Sohn und seiner Freundin in Hamburg-Altona. Gelegentliche Ratschläge von Parteifreunden, als CDU-Familienpolitiker solle er besser seine Lebensgefährtin heiraten, hat er bisher ignoriert. Wie Rix gehört Weinberg zum linken Flügel seiner Partei. In Altona schob er einst das erste schwarz-grüne Bündnis in Hamburg mit an, später, als Landesvorsitzender, wollte er in der Hamburger CDU eine harte Frauenquote einführen statt des weicheren Quorums der Bundes-CDU.