Bis zu zehn Jahre Haft – diese Strafe droht Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank und als Präsident des Bundesverbands deutscher Banken auch oberster Lobbyist seiner Zunft. Schon bald muss sich der 66-Jährige wegen des Vorwurfs "eines versuchten Betrugs in einem besonders schweren Fall" verantworten. Am Montag ließ das Landgericht München die 627 Seiten dicke Anklage der Staatsanwaltschaft zu. Beginnen soll der Prozess am 28. April. Angesetzt sind 13 Verhandlungstage bis August, aber es ist möglich, dass sich alles noch länger hinzieht.

Es wird einer der spektakulärsten Strafprozesse der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Neben Fitschen müssen auch seine Vorgänger Josef Ackermann und Rolf-Ernst Breuer vor Gericht erscheinen, also alle Vorstandsvorsitzenden, die Deutschlands größte Bank in den vergangenen 18 Jahren geführt haben – sieht man mal von Fitschens Partner Anshu Jain ab. Ebenfalls angeklagt sind zwei weitere Ex-Manager der Bank; ihnen wirft die Staatsanwaltschaft zusätzlich "falsche uneidliche Aussage" vor.

Alle Vorwürfe wurzeln in einem Rechtsstreit um die Insolvenz von Leo Kirchs Medienkonzern im Jahr 2002. Kirchs Lager beschuldigte die Bank, maßgeblich zum Kollaps beigetragen zu haben. Es kam zu einem Zivilprozess, in dem mehrere Manager nach Absprache gelogen haben sollen, um das Gericht zu täuschen und die Bank vor Schadensersatzansprüchen zu bewahren. Und Fitschen, so die Staatsanwälte, habe nichts getan, "um den falschen Vortrag zu korrigieren". Er selbst sagte einmal: "Ich habe weder gelogen noch betrogen" – sichtlich entschlossen, seinen Vertrag bis 2017 zu erfüllen. Die Bank hält öffentlich an der Unschuldsvermutung fest.

In einem zweiten Verfahren, in dem Fitschen zu den Verdächtigen zählt, bleibt offen, ob eine Anklage droht. Seit Jahren ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt wegen des Verdachts der schweren Steuerhinterziehung in Verbindung mit dem Handel von Emissionsrechten. Dabei kam es Ende 2012 zu einer Großrazzia in der Deutschen Bank. "Die Ermittlungen dauern nach wie vor an", sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft der ZEIT. Die Sichtung der Daten nehme "viel Zeit in Anspruch", da seien die seit der Razzia verstrichenen zwei Jahre "eher eine kurze Zeitspanne". Immerhin: Alle aktuell 26 beschuldigten Bankmitarbeiter hätten bereits "rechtliches Gehör" gehabt. Das kann allerdings von der Akteneinsicht über eine Stellungnahme des Verteidigers bis hin zur Vernehmung vieles bedeuten. Wann die Ermittlungen abgeschlossen werden könnten, sei völlig unklar, so der Sprecher. "Wir sind im Landeanflug begriffen, aber ich habe schon Vögel gesehen, die standen auf dem Rollfeld – und sind dann wieder abgehoben."