"Lebe lang und in Frieden" war einmal ein Heilsversprechen, heute ist der Spruch nur noch eine Referenz aus der Popkultur. Wozu lang leben, wenn nur Altersarmut wartet? Frieden scheint aktuell nicht auf dem Programm zu stehen. Jetzt ist auch noch der gestorben, der den Satz geprägt hat: Leonard Nimoy, bekannt als Mr. Spock, erlag vergangene Woche mit 83 Jahren einem Lungenleiden. Damit ging einer der letzten Vertreter des unverbesserlichen Optimismus und Humanismus der sechziger Jahre, manifest geworden in der erfolgreichsten Science-Fiction-Serie aller Zeiten: Star Trek.

Die erste Folge wurde 1966 ausgestrahlt, eine utopische Fantasie erster Güte. Die eine Vision einer aufgeklärten Zukunft zeigte, in der Weiße, Schwarze, ein Japaner, ein Russe und ein spitzohriges Pokerface nicht durch Weltkrieg, Eisernen Vorhang und Rassendiskriminierung getrennt sind, sondern vereint durch ihre friedliche Entdeckungsmission im All. Star Trek zeigte 1968 den ersten Fernsehkuss zwischen einer schwarzen Frau und einem weißen Mann – Lieutenant Uhura und Captain Kirk –, und in einer späteren Folge gibt es auch eine lesbische Liebesbeziehung.

1969 wurde das Original eingestellt, der Optimismus der Sixties war bereits der Stagnation der bleiernen Jahre gewichen. In den boomenden Achtzigern und den zukunftsbegeisterten Neunzigern schuf man dennoch fünf weitere Serien und zehn Filme. Hinter idiotischen Dialogen und widersinnigem Technikgebrabbel ("Die strukturelle Integrität liegt bei 34 Prozent!") verbarg sich die nur mehr rührend naive Vorstellung einer besseren Welt. Star Trek zeigt eine Gesellschaft, die durch technologischen und sozialen Fortschritt den Mangel besiegt hat, ohne Geld auskommt und in der es keine Diskriminierung gibt – auch und erst recht nicht gegen Spock, den Mischling und Bastard, Sohn einer Menschenfrau und eines Vulkaniers.

In einer Zeit, in der die Ideale der Aufklärung von außen wie von innen unter Druck sind, scheint die Star Trek- Welt lächerlich zu sein, nicht nur wegen falscher Ohren oder hautenger Uniformen, sondern weil die Werte, die Spock verkörperte, Logik, Vernunft und friedliches Zusammenleben, ziemlich altbacken wirken. Das wusste auch Regisseur und Produzent J. J. Abrams (Lost), der die Serie von 2008 an in einer Kinotrilogie fit fürs 21. Jahrhundert machte. Das dauerte ein Jahr länger als geplant, weil er gemerkt hatte, dass die ursprünglichen Werte sich schwerer in "unser zynisches Zeitalter" übersetzen lassen als gedacht.