Doping im Fußball? Bringt doch nichts. So lapidar sind jahrzehntelang die Dopingvorwürfe pariert worden, wenn sie den Lieblingssport der Deutschen betrafen. Und wenn doch mal ein Spieler erwischt wurde? Dann kombinierten (vorzugsweise ältere) Trainer stets rhetorisch Einzelfall mit Schusseligkeit: Da hätte höchstens einer mal was genommen, von dem er gar nicht gewusst habe, dass es Doping sei. Indianerehrenwort.

Was jetzt ein Mitglied der Evaluierungskommission Freiburger Sportmedizin an die Öffentlichkeit bringt, klingt ganz anders: Im Profifußball der späten siebziger und frühen achtziger Jahre lasse sich Doping "sicher beweisen". So soll der Bundesligist VfB Stuttgart in größerem Umfang mit dem verbotenen Anabolikum Megagrisevit versorgt worden sein. Auch der damalige Zweitligist SC Freiburg soll "immerhin eine Medikamentenlieferung" erhalten haben. Doping im Fußball? Bringt offenbar doch was.

Jene Dokumente, die das Treiben von Ärzten, Spielern und Funktionären belegen sollen, stammen aus Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen den Freiburger Sportmediziner Armin Klümper in den achtziger Jahren. Pikant dabei: Die etwa 60 Aktenordner waren mehr als zwei Jahre lang verschollen und tauchten erst Ende des vergangenen Jahres wieder auf, rein zufällig natürlich.

Wenn die Aussage des Kommissionsmitglieds zutrifft, dann wäre dies der erste Nachweis für systematisches Doping im Bundesligafußball. Eine Überraschung wäre das nicht. Denn die Dopingvorwürfe sind ja nicht neu. Anfang der neunziger Jahre sah sich der VfB Stuttgart schon einmal damit konfrontiert. Damals hatte Trainer Christoph Daum ausgeplaudert, verletzte Spieler würden mit dem Kälbermastmittel Clenbuterol behandelt. (Diese Aussage nahm er wenig später zurück.)

Und auch Felix Magath verteidigte noch vor acht Jahren seine Forderung aus den Achtzigern, Anabolika bei verletzten Spielern zur Regeneration freizugeben. Der mittlerweile verstorbene Präsident des SC Freiburg, Achim Stocker, wollte im Jahr 2007 sogar an dem Sportarzt Andreas Schmid festhalten, nachdem bekannt wurde, dass dieser Radler des Teams Telekom/T-Mobile systematisch gedopt hatte. (Es kam dann doch zur Trennung.) Alles Einzelfälle?

Die Radfahrer mussten erleben, wie schnell eine ganze Sportart in Verruf gerät. Doping im Fußball? Für die Vereine ist dies vielleicht die letzte Chance, das Problem aus eigener Initiative anzugehen. Glaubwürdige Aufklärung bedarf unabhängiger Kommissionen und freier Ermittler, welche die Geschichte des Fußballs gründlich durchleuchten.

Die Enthüllungen aus Freiburg zeigen auch, dass der heutige Profifußball endlich ein zeitgemäßes System der Dopingkontrolle braucht. Kaum zu glauben, dass die Fifa die Tests während der Weltmeisterschaften selbst durchführt. Dass der Sport, wie so oft beschworen, über die nötigen Selbstreinigungskräfte verfügt, glaubt kaum noch jemand. Das ist Teil seines Dopingproblems.