Als Politiker ist Silvio Berlusconi fast von der Bildfläche verschwunden. Nach seiner Verurteilung wegen Steuerbetrugs darf er nicht mehr im Parlament sitzen. Seine Partei Forza Italia löst sich gerade auf. Und doch schafft es Berlusconi, Italien in Aufregung zu versetzen – in seinem angestammten Job als Großverleger. Mit seinem Fernsehunternehmen Mediaset, dem Fußballclub AC Mailand, der Filmproduktion Medusa und dem Mondadori-Verlag bleibt der dreifache Ex-Premier immer noch die Nummer eins der italienischen Unterhaltungs- und Kulturindustrie. Doch Berlusconi reicht das nicht. Er will weiter wachsen.

Soeben hat er ein Kaufangebot für die Sendemasten des Staatsrundfunks RAI lanciert, um sich die gesamte Fernsehinfrastruktur zu sichern. Gleichzeitig will Mondadori die Buchsparte des Konkurrenten RCS übernehmen. In diesem Verlagshaus erscheinen Italiens größte Tageszeitung Corriere della Sera sowie die Gazzetta dello Sport . Einstweilen greift Berlusconi aber nur nach den Büchern.

Durch den RCS-Deal würde sein Haus 40 Prozent des italienischen Buchmarktes kontrollieren. "Ein Koloss mit enormer Verhandlungsmacht gegenüber den Autoren. Er würde die Buchläden dominieren und die kleinen Verlage vollends erdrücken", warnen nun 48 RCS-Autoren, unter ihnen Umberto Eco, Susanna Tamaro und Dacia Maraini. Italiens Mitte-links-Regierung protestiert hingegen eher zaghaft. Schließlich braucht sie Berlusconis Unterstützung noch für ihr Reformprogramm.

Die Leser können Berlusconi jetzt schon kaum entrinnen. Er hält das Quasimonopol für die Kataloge der großen Museen und Ausstellungen, außerdem gehört ihm auch ein großer Schulbuchverlag. Ob man ins Kino geht, ins Stadion, in den Buchladen oder einfach zur Schule: Berlusconi ist überall.

Dass man nicht unbedingt regieren muss, um in Italien den Ton anzugeben, wissen die Agnellis schon lange. Der in Turin ansässigen Besitzerfamilie des Autokonzerns Fiat-Chrysler gehört derzeit neben dem Fußballclub Juventus noch der Mehrheitsanteil von RCS. Die Bücher wandern also nur von einem italienischen Oligarchen zum andern.