Wer Missstände aufzeigt, ist rasch einen Kopf kürzer

Wenn Bresniks Name fällt, weicht jede Eleganz aus Leitgebs Gesicht. Wie er das Verhältnis beschreiben würde? "Krank. Seit ich Präsident des Tennisverbandes wurde, musste er mir immer zeigen, dass er besser ist. Günter sieht sich als Robin Hood des Tennis. Sein Marketingtool ist es, auf den Verband zu schimpfen." Bresnik, ein Kritiker des ÖTV, wollte immer schon sein eigenes Ding machen und sich nicht dreinreden lassen. Heute coacht er den besten Spieler Österreichs, Dominic Thiem, und in seiner Tennisschule im Sportzentrum Südstadt trainieren die größten Talente des Landes. Genau dort befindet sich auch das Leistungszentrum des Tennisverbandes, wo es gerade nicht so gut läuft.

Als Leitgeb 2012 Präsident wurde, versuchte er Thiem zu einem Aushängeschild des Verbandes zu machen. Bresnik bot er einen gut dotierten Headcoachvertrag an. Als ihm dieser zu verstehen gab, dass er sich nicht binden wollte, und wenn, dann nur zu seinen Konditionen, eskalierte der Streit. Dazu funkte ÖTV-Kassier Helmut Dorn dem großen Zampano dazwischen, der Widerspruch in einem Biotop von Jasagern nicht gewohnt war, und verweigerte seine Zustimmung zu Geschäften, die er für nicht korrekt hielt. "Viele haben mich vor Ronnie gewarnt", seufzt er, "während sie stinkfreundlich zu ihm waren. Ich sollte aufpassen, dass er keine finanziellen Dummheiten macht. Kaum war er Präsident, ging er aber sehr locker mit dem Geld um."

Dorn war ein verdienter Mann der Wirtschaft, Leitgebs Ruf hingegen nicht der beste. Seine Eventagentur Ziel-Werbung ging Anfang der Neunzigerjahre pleite. Im April 2003 eröffnete er einen noblen Sport- und Wellnesstempel in Monte Carlo. Neben Fürst Grimaldi und Sportpromis wie Niki Lauda oder Gerhard Berger tanzten Innenminister Ernst Strasser und Immofinanz-Chef Karl Petrikovics an, um Austern und Champagner zu schlürfen. Wegen verschiedener Transaktionen im Zusammenhang mit dieser Nobelimmobilie ermittelt die Staatsanwaltschaft seit über einem Jahr wegen Untreue. Leitgeb, auf den Stand der Ermittlungen angesprochen, gibt sich gelassen. Das Ganze werde sich in Luft auflösen.

Auch Helmut Dorn erhebt schwere Vorwürfe. Als designierter Präsident habe Leitgeb auf eine Förderung von 30.000 Euro für die von ihm gemanagte Tamira Paszek gedrängt und geplant, eine Provision dafür zu kassieren. Zudem hätte Leitgeb das Marketing an eine Firma auslagern wollen, an deren Gewinn zu je einem Drittel er selbst, der Generalsekretär des ÖTV und der Geschäftsführer von Leitgebs Firma Champ Events beteiligt gewesen wären. "Alles Blödsinn", entgegnet Leitgeb. "Sie können davon ausgehen, dass ich meine Rollen als ÖTV-Präsident und Manager sehr wohl trennen konnte. Ich sehe diese Vorwürfe völlig gelassen, das sind die Neidattacken eines Pensionisten."

Zuerst bat der ÖTV Dorn zu gehen, später verlor auch Leitgeb den Rückhalt der Funktionäre. Im Dezember 2014 gab er bekannt, für keine weitere Amtszeit zur Verfügung zu stehen. Das soll aber erst passiert sein, nachdem ihm die Mehrheit der Landespräsidenten signalisiert hätte, ihn nicht wiederwählen zu wollen. Der Präsident des burgenländischen Verbandes, Günter Kurz, möchte das nicht bestätigen: "Es hat aber möglicherweise den einen oder anderen gegeben, der nicht hundertprozentig hinter Ronnie stand." Leitgeb sagt, er habe schon im Sommer gehen wollen: "Weil ich gemerkt habe, dass der Verband nicht zu reformieren ist. Die Länder wollen kein Leadership, es regieren Einzelinteressen. Der ÖTV ist in seinen Strukturen komplett gelähmt."

Nun lecken alle ihre Wunden. "Ich habe nichts gegen Ronnie", gibt sich Bresnik wortkarg. "Er hat viel geleistet, aber ansonsten ist er fast eine traurige Figur. Er ist daran gescheitert, dass ihn der Verband zu sehr an die Kandare nehmen wollte." Dorn will das Ganze als Lehrbeispiel verstanden wissen. "In den Sportverbänden sitzen häufig Funktionäre, die groß sein wollen und eine Spielwiese brauchen, von der sie aber fachlich wenig verstehen." Der Sport sei einer der wenigen Gesellschaftsbereiche, in denen die Politik noch eine große Rolle spielt. Dass bei der Verteilung der Fördermittel die Empfänger mitbestimmen, sei schlichtweg skandalös. Wer Missstände aufzeigt, ist rasch einen Kopf kürzer.

Der Muster-Macher weist alle Anschuldigungen zurück. Große Pläne habe er gehabt, sagt er, und zückt zum Beweis ein Blatt Papier mit einer Projektliste. Vieles klingt logisch. Von der Umsetzung eines neuen Beitragssystems bis zur Erfassung aller Tennislehrer, die oft ihr eigenes Süppchen kochen. Doch was im Kleinen nicht klappte, funktionierte auch im Großen nicht. "Ich liebe dieses Land, aber was passiert ist, nimmt mir ein wenig die Freude an Österreich", gibt er sich verbittert. Sein nächstes Projekt zaubert ihm wieder ein Lächeln ins Gesicht. Sportforum Schladming heißt die Veranstaltung Ende Mai, mit Workshops und Seminaren, die den Sport wieder mehr in die Mitte der Gesellschaft rücken soll. Am 18. Februar hielt Leitgeb noch selbst einen Vortrag im WIFI Mödling, um seine Erfolgsformel aus dem Spitzensport weiterzugeben. Klingt ganz nach dem Thomas-Muster-Weg. Nach der Geschichte seines Lebens.

Mitarbeit: Gerd Millmann