Ein einzelner, geisterhafter Hotelbau steht wie gestrandet in der Wüste, hinter ihm verschwimmen futuristische Hochhäuser im Dunst: Dieses Bild wirkt so merkwürdig, dass man es für eine Fata Morgana halten könnte. Die Aufnahme ist typisch für den Band The Dubai des in Berlin aufgewachsenen Fotografen Tor Seidel. Er zeigt das kleine Emirat nicht wie üblich als einen Ort, an dem alles möglich ist – sondern halb fertig, künstlich und mit Brüchen. Einfahrten und Straßen führen nirgendwohin; Betonsäulen ragen in den Himmel, ohne etwas zu tragen. Wenn Menschen überhaupt zu sehen sind, dann von hinten und in gekünstelten Posen. Eine Fata Morgana verschwindet, wenn man sich ihr nähert. Tor Seidel ist es gelungen, zur Glitzerwelt Dubais genau die Distanz zu finden, in der sie beginnt, sich aufzulösen. Das lässt seine Bilder flirren.

Tor Seidel: The Dubai. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2014; 160 S., 58,– €.