Dass jemand ihn so raffiniert austrickst, passiert nicht oft. Deshalb hat Willem van Dedem die Begegnung in Maastricht vor einigen Jahren auch nicht vergessen: Der Scheich von Katar sei eben eingetroffen, so wurde er informiert, und wünsche die Messe zu sehen. Jetzt sofort. Noch vor der offiziellen Eröffnung. Van Dedem, straff und gerade, machte sich noch ein Stückchen gerader. "Ich begrüßte den Gast mit äußerster Höflichkeit, um ihm dann zu sagen: Wir bedauern außerordentlich, aber Sie können die Messe nicht besuchen, denn heute ist ausschließlich Presse zugelassen."

"Ha!", entgegnete Scheich Hamad bin Chalifa im knöchellangen Thawb lachend, "das trifft sich gut. Ich bin von der Presse." Damit zückte er einen Ausweis. "Mir gehört jetzt Al-Dschasira."

Und drin war er.

Van Dedem streicht sich übers weiße Haar und lächelt fein. Manches bleibt ungesagt in diesem Moment der Erinnerung, aber die Botschaft ist klar: Der Kunst- und Antiquitätenhandel mag zwar weltweit jährlich 47 Milliarden Euro umsetzen. Doch The European Fine Art Fair, kurz Tefaf, ist dessen Fixpunkt – und zugleich "seine" Messe. Wer so etwas organisiert, sollte auch mit Menschen klarkommen, von denen ihn Welten trennen. Mit Menschen, die mal eben einen Fernsehsender kaufen, zum Beispiel.

"Man sagt ihnen einfach, was sie kaufen sollen. Das sind Spekulanten"

Die Welt von Baron van Dedem, das ist an diesem eiskalten Vorfrühlingsmorgen ein altes Gutshaus in einem Londoner Vorort. Hinter dem Garten blitzt die Themse auf, im Salon brennt der Kamin, und was an den holzgetäfelten Wänden hängt, dürfte jeden Besucher kurz nach Luft schnappen lassen. Glanz und Magie des Goldenen Zeitalters niederländischer Kunst, hier sind sie versammelt, Landschaften, Seestücke und Porträts des 17. Jahrhunderts, allesamt klassisch gerahmt in Ebenholzschwarz. Eine derbe Wirtshausszene von Adriaen Brouwer. Das Porträt einer jungen Frau von Paulus Moreelse.

Im Lehnstuhl hat der Baron Platz genommen. Blazer, Siegelring am kleinen Finger, im Revers die Seidenschleife eines Ordens "meiner Königin", Beatrix. Augen, so blau wie das Meer auf dem Seestück von Jan van de Cappelle, auf das in diesem Moment ein Sonnenstrahl fällt.

Sein charmant-kehliges Deutsch hat der Niederländer van Dedem als Unternehmer gelernt: als Importeur deutscher Steinkohle aus dem Ruhrgebiet, später im Energiesektor, und schließlich gründete er unter anderem Uta, ein Serviceunternehmen für Speditionen in Kleinostheim bei Frankfurt. Alles längst Vergangenheit. Heute gilt seine Aufmerksamkeit dem Kunstmarkt und der 60 Werke umfassenden eigenen Sammlung. Doch damit zu protzen verbietet die Erziehung. Diskretion ist seine zweite Natur, was für ihn als Präsident und Aufsichtsrat der Tefaf sehr hilfreich ist. Die Position erfordert keinen Händler mit eigenen Interessen, sondern einen Sammler, der den Markt kennt und Spannungen im Kreis der Händler diplomatisch-lautlos ausgleicht.

Es ist viel Geld im Spiel, und in Zeiten niedriger Renditen und Zinsen ist Kunst, Antikes und Kostbares als Wertanlage gefragt wie nie. Als Sammler, der vor 40 Jahren mit einem kleinen van de Velde für 3.000 Gulden angefangen hat (was in heutiger Kaufkraft etwa 4.000 Euro entsprechen würde), kann van Dedem nur noch staunen: 40 Millionen Euro für bunte Kringel des US-Malers Cy Twombly? Das will dem 85-Jährigen nun gar nicht in den Sinn. "Auf dem Markt der zeitgenössischen Kunst sind die Preise einfach Wahnsinn. Da brauchen die Leute von Kunst nichts zu verstehen, man sagt ihnen einfach, was sie kaufen sollen. Das sind Spekulanten." Wer sich für Kunst als Investment interessiert, hat mittlerweile ein Problem. Die Blue Chips der Gegenwartskunst sind unbezahlbar geworden. Also schaut man nach, was es sonst noch so gibt.

In diesen Tagen ist es wieder so weit. Die Spitzen des Kunsthandels treffen sich in der niederländischen Universitätsstadt auf der "Königin aller Messen", wie die New York Times die Tefaf nennt. Wie jedes Jahr wird die privilegierte Kundschaft darüber schimpfen, dass man so schlecht hinkomme, dass es zu wenige Taxen gebe, dass die Restaurants hoffnungslos ausgebucht seien, von Hotelzimmern nicht zu reden. Und dass die Slots für Privatmaschinen auf dem nahe gelegenen Flughafen viel zu eng getaktet seien.