Für diese, nennen wir sie: naturobsessive Ausrichtung sind seine Romane seit Langem bekannt. Genau wie sein Personal, das stets aus dem Eifel-Dorf Kall und der dort ansässigen Sippe der Arimonds stammt, die sich dadurch auszeichnet, dass zahlreiche ihrer Vertreter im Versuch scheitern, sich in ein Tier zu verwandeln – allesamt Figuren eines archaischen literarischen Transhumanismus. Im 2009 erschienenen Roman Überm Rauschen lernte Hermann Arimond die Sprache der Fische, tummelte sich mit Barschen und Hechten in der Urft und endete mit einem Angelhaken im Maul. Im neuen Roman erprobt sich ein Vorfahre des Bundeswehrsanitäters Paul Arimond in einer vergleichbaren Tierwerdung, indem er mit einem selbst angefertigten "Federkleid" durch die Lüfte flattert. Die Aufzeichnungen dieses Urvaters der Mensch-Tier-Symbiose, der im 18. Jahrhundert aus ornithologischem Interesse Afghanistan bereiste, wechseln sich in loser Folge mit den vogelkundlichen Betrachtungen seines jungen Nachfahren aus dem Bundeswehrfeldlager ab.

Eine dritte Handlungsebene führt zurück in die Eifel und verknüpft Natur- und Familiengeschichte, in der die Frauen die Männer häufig sich selbst und ihrer übermenschlichen Tierliebe überlassen. Der Vater des Tagebuchschreibers, auch er ein besessener Vogelkundler, ist deswegen vogelgleich über die hohe Brüstung einer bekannten Selbstmörderbrücke in den Fluss gesprungen. Auch Freund Jan, seit einem Autounfall, den der Tagebuchschreiber verursacht hat, schwer behindert, stirbt in der Eifel. Ein weiterer afghanischer Freund ertrinkt im See unweit des Feldlagers, woraufhin der Held in zunehmender innerer Verwilderung durch Afghanistan irrt, bevor er aufgegriffen und in den Todesbus nach Kabul gesetzt wird: Die Überlebenschancen der Männer tendieren in diesem Roman gegen null.

Nach seinem Tod sortiert die alte Lehrerin des Helden zu Hause in der Eifel die Tagebuchblätter, die wir gerade lesen. Das ist bei allem Respekt ein bisschen abgegriffen: der Roman als Spiegelkabinett seiner selbst. Aber dennoch: Eine solche Naturkunde des Krieges hat es noch nicht gegeben.