Was ist da, was fehlt?

Wer es gut mit Hamburg meint, gesteht der Stadt zu, dass sie, jedenfalls gemäß ihrer recht eigenen Zählweise, über 16 der erforderlichen 35 großen Sportstätten für Olympische Spiele schon verfügt. Wer es gut mit Berlin meint, der betont zwei offensichtliche Tatsachen: Die Stadt ist doppelt so groß wie Hamburg. Und sie hat schon ein Olympiastadion.

Die Frage der schieren Größe ist ein wesentlicher Aspekt eines Olympiakonzepts. Berlin hat mehr als genug Unterkünfte und Hotelzimmer anzubieten, Hamburg nicht. Berlin hat mehr und größere Sportstätten. Und was immer nach den Spielen von den zusätzlich errichteten Olympiaanlagen zu einer mehr oder weniger sinnvollen "Nachnutzung" übrig bliebe, in Berlin könnten doppelt so viele Bürger davon Gebrauch machen wie in Hamburg.

Wie nützlich es ist, ein Olympiastadion schon zu haben, zeigt ein Blick auf die Hamburger Bewerbung. Die Stadt müsste einen dreistelligen Millionenbetrag ausgeben, um ein neues Stadion mit 80.000 Sitzplätzen zu errichten – für ein Sportspektakel von gerade einmal zwei Wochen Dauer. Danach sollen 60.000 Sitzplätze wieder abgebaut und der Rest für Leichtathletik und American Football genutzt werden. Große Stadien sind aufwendige Bauwerke, jeder einzelne Platz auf der Tribüne verursacht erheblich höhere Kosten als in kleinen. So gesehen, ist der Rückbau eines Olympiastadions zu einer kleinen Sportarena für den Alltagsbedarf einer 1,7-Millionen-Stadt eher eine Form der Resteverwertung als eine plausible "Nachnutzung".

Fragen wirft auch die neu zu errichtende "Olympiahalle" auf, die Hamburg als Wettkampfstätte der Turner und Basketballer nutzen und später in ein Kreuzfahrtterminal verwandeln möchte. Sicher, die Kreuzfahrtbranche wächst schnell. Andererseits hat Hamburg erst vor vier Jahren ein zweites Terminal in Betrieb genommen und den Bau eines dritten gerade begonnen. Wird in zehn Jahren wirklich ein viertes benötigt?

Auch Berlin hat schon 15 der 35 erforderlichen Sportstätten, darunter die Max-Schmeling-Halle, die Schwimm- und Sprunghalle sowie das daneben liegende Velodrom. Die größte Anlage, die neu entstehen müsste, wäre eine Volleyballhalle.

15 Anlagen hier, 16 dort – liegt Hamburg also vorne? Eher nicht: Um auf die Zahl 16 zu kommen, haben die Hamburger in ihrer Bewerbung sogar den "öffentlichen Raum" mitgezählt – immerhin könnten dort ja Marathon, Triathlon und Radrennen stattfinden.