Lange galt Neuromarketing als das nächste große Ding. Vermarktungsprofis glaubten, mittels Computertomografie eine Art "Kaufknopf" im Gehirn des Konsumenten finden zu können. Gelänge es, so ihre bizarre Hoffnung, gezielt jene Hirnareale zu aktivieren, die einen unwiderstehlichen Kaufreflex ("Will das sofort haben, sabber!") auslösen, könnten sie uns praktisch alles andrehen.

Der Kaufknopf wurde inzwischen entdeckt. Allerdings nicht im Kopf von irgendwem, sondern auf einer schwarzen Plastikablage für den neuen Rasierer "Gillette Fusion Pro Glide mit FlexBall Technologie". Ein auch bisher schon perfekt rasierter Kollege bekam den Prototyp neulich zugeschickt. Am Rand des Plastikteils befindet sich der Kaufknopf, der mit der englischen Bezeichnung order versehen ist und blau leuchten kann. Gehen die Klingen zur Neige, genügt ein Knopfdruck, um eine Nachbestellung über das Mobilfunknetz abzusetzen. Bald liegen neue Klingen im Briefkasten. Künftig ist womöglich mit einer Expresszustellung per Rohrpost durch die Abwasserleitung bis ins heimische Waschbecken zu rechnen, aber das ist noch nicht entschieden. Bitte rechtzeitig den Stöpsel entfernen!

Man nennt so etwas das Internet der Dinge, und natürlich müssen sich Kunden dafür extra registrieren. Sonst wissen die Klingen ja gar nicht, wohin sie reisen sollen und wie der ganze Kaufspaß abgerechnet und bezahlt werden muss. Jede Bestellung muss zudem per E-Mail bestätigt werden, das verrät die beiliegende Bedienungsanleitung – und nass werden darf das Teil auch nicht. Klingt total einfach.

Praktisch am Internet der Dinge ist, dass man nicht mehr aus dem Haus muss, um sich Rasierklingen oder anderes Zeug zu kaufen. Wobei ich mich frage, wozu ich mich überhaupt noch rasieren soll, wenn ich den Kontakt zu Menschen meide und mich stattdessen nur noch mit Gegenständen umgebe, die online mit meiner Kreditkarte einkaufen.