Der jüngst verstorbene Produzent und Miterfinder der großartigen Comicserie Die Simpsons Sam Simon hatte vor einigen Monaten einen paarungsunwilligen Zuchtbullen in Irland vor dem Schlachthof gerettet. Der Zuchtbulle namens Benjy sollte umgebracht werden, da er sich nur für männliche Artgenossen interessiert haben soll. Aufgrund einer großzügigen Spende von Simon konnte er in ein Tierasyl nach Norwich gebracht werden. Nicht überliefert ist, wie es ihm dort so geht und ob er einen Partner gefunden hat, mit dem er ein sexuell selbstbestimmtes Leben führen kann. Bösartige Kommentatoren in Großbritannien meinten zotig, Benjy sei gar nicht schwul, die vorhandenen Kühe seien nur nicht attraktiv genug gewesen. Andere vermuteten, er sei vielleicht schlicht asexuell, und die Asexuellen seien die diskriminierteste Gruppe von allen, da sie die Verachtung nicht nur der Mehrheitsgesellschaft, sondern aller Minderheiten, die auf sexuelle Selbstverwirklichung pochten, auf sich zögen. Nur weil jemand kein Interesse am weiblichen Geschlecht zeige, sei er noch lange nicht homosexuell. Die heterosexuelle Zwangsmatrix (Judith Butler) werde heute durch eine nicht minder gewaltsame Klassifizierungssucht von Bi-, Trans-, Hetero- und Homosexualitätsidentitäten ersetzt. So werde das nichts mit der Befreiung des Menschen, der sexuell überall in Ketten liege. Wieder andere schrieben, das sei egal: Benjy sei gerettet worden, das sei für den Moment das Wichtigste, und man solle sich einfach mal freuen. Bemitleidenswert seien aber all die anderen Bullen, die ihre Fortpflanzung vielleicht nur aus Todesangst betrieben, mit Unlust zwar, aber wenn der Henker mit seiner Axt winke ... Das brachte einige Frauen auf, die den Gedanken als diskriminierend empfanden, das weibliche Geschlecht sei nur unter Zwang begehrenswert. Das aber war eine Minderheitenposition.