Früher war ja alles cool, was aus Amerika kam, die Cola, die Levi’s, MTV. Heute sehen wir die Amerikaner kritischer: wegen ihrer Kriege, der Finanzkrise und der NSA. Wir sind jetzt selbst mächtig, und Berlin gilt in New York als coolste Stadt der Welt. Weswegen wir die Amis eigentlich nur noch für eine Sache bewundern: ihre Fernsehserien.

Die Helden sind kaputter (Homeland), die Plots abgründiger (Game of Thrones), die Schauspieler besser (House of Cards). Mehr badass eben. Dass die neue Staffel von House of Cards in Deutschland derzeit nur über Sky zu sehen ist, hat uns noch mal schmerzlich an den kleinen Unterschied zwischen hier und dort erinnert.

Umso überraschender, erfreulicher und inspirierender ist die Nachricht, dass die fünfte Staffel von Homeland in Berlin spielen soll. Unsere Hauptstadt würde sich einreihen in die gefährlichen Schauplätze der bisherigen Serie! Langley, wo die CIA ihr Hauptquartier hat und eine Bombe hochgeht. Caracas, wo der Ex-Marine Nicholas Brody von Gangstern gefangen und zum Junkie gemacht wird. Islamabad, wo Agentin Carrie Mathison einem Terroristenführer hinterherjagt, der vom pakistanischen Geheimdienst gedeckt wird.

Was wird Carrie wohl in Berlin erleben? Von den Serienproduzenten wissen wir immerhin, dass sie nicht mehr bei der CIA arbeiten wird und ihre Sünden wiedergutmachen will. Wird sie vielleicht Informationen über das CIA-Drohnenprogramm leaken, nach Deutschland flüchten und beim Chaos Computer Club untertauchen? Werden wir sie als hingebungsvolle Mutter erleben, die sich in einen BND-Agenten verliebt? Oder wird sie im Auftrag des Kanzleramts die neue griechische Regierung infiltrieren? Sie könnte auch im Auftrag der griechischen Regierung die deutsche ausspionieren, das wäre noch besser!

Von anderen Ländern ist bekannt, dass die Erfahrungen nach dem Dreh meist nicht so positiv waren wie die Erwartungen davor. Die Pakistaner fühlten sich als Bündnispartner der Amerikaner nicht genug gewürdigt. "Islamabad ist eine ruhige, idyllische Stadt mit schönen Bergen", sagte ein Beamter der Boulevardzeitung New York Post, "in Homeland ist es eine heruntergekommene Kriegszone, was einfach nicht stimmt."

Gut möglich, dass auch Deutschland verzerrt dargestellt wird. Aber auch das würde das politische Berlin für uns alle endlich mal spannend machen.