Wenn Politiker ein wichtiges Vorhaben ankündigen, nutzen sie dafür gern Vergleiche, die der Wähler versteht. So auch bei den sogenannten Finanzmarktwächtern. Als "Wachhunde, die schnüffeln, bellen und notfalls auch beißen", bezeichnete Justiz- und Verbraucherminister Heiko Maas (SPD) sie vor genau einem Jahr. Markige Worte. Allerdings wartet man seither vergeblich darauf, dass die Wachhunde auch tatsächlich einmal anfangen zu bellen. Oder auch nur zu schnüffeln.

Die Finanzmarktwächter sollen auf Missstände hinweisen – als Frühwarnsystem. Verlieren etwa auffallend viele Verbraucher mit bestimmten Produkten einer Bank oder Versicherung Geld, stellt sich die Frage, ob sie ausreichend über Risiken informiert wurden oder ob die Geschäftsbedingungen unfair sind. Auch den grauen Kapitalmarkt sollen die Finanzmarktwächter beobachten. Das ist der Teil des Finanzmarktes, der kaum reguliert ist. Dort locken Anbieter oft mit hohen Renditen, doch regelmäßig entpuppen sich Investments als Luftnummern. Beispiele der vergangenen Jahre sind Prokon, S&K und die Göttinger Gruppe. Viele Milliarden gehen so flöten.

Die Finanzmarktwächter sollen künftig ein Teil der Verbraucherzentralen sein – dorthin wenden sich Verbraucher mit Problemen oft als Erstes. Wohl nicht von ungefähr ähnelt der Name auch früheren Initiativen der Verbraucherzentralen. Mit großem Getöse wurde der Plan im vergangenen Sommer von der Politik gefasst. Noch 2014 würden die Aufpasser kommen, hieß es. Dann war im Herbst zu hören, nun könne alles aufgebaut und 2015 die Arbeit aufgenommen werden. Irgendwann war von Februar die Rede. Nun ist März, und noch immer ist kein Bellen zu vernehmen.

Nachfrage beim Verbraucherzentrale-Bundesverband: Wann starten die Finanzmarktwächter denn nun? "Dazu können wir leider nichts sagen, vom Justizministerium fehlt noch der Zuwendungsbescheid für dieses Jahr", erklärt ein Sprecher. Das überrascht. Zum einen sind die Verbraucherzentralen selten um Worte verlegen. Zum anderen hatte der Haushaltsausschuss des Bundestags bereits im vergangenen Jahr 2,5 Millionen Euro für den Aufbau des Projekts vorgesehen – wovon die Verbraucherzentralen nur 1,5 Millionen Euro abgerufen haben. Nachfrage beim Justizministerium: Ist das Projekt für 2015 schon genehmigt? "Wir arbeiten unter Hochdruck daran", sagt ein Sprecher. Das ist die übliche Floskel, wenn man lieber nichts Konkretes sagen möchte und es irgendwo irgendwie hakt. Immerhin verrät der Sprecher noch, dass für dieses Jahr 5,6 Millionen Euro vorgesehen sind, wenn auch für beide Marktwächter zusammen. Neben dem Wächter für Finanzen ist auch einer für die digitale Welt vorgesehen. Dessen Aufbau soll noch später starten.

Mit dem Geld wollen die Verbraucherzentralen Personal einstellen und eine neue technische Infrastruktur aufbauen. Die Finanzmarktwächter sollen Informationen der lokalen Stellen bündeln, bewerten und ihre Erkenntnisse der Aufsicht und Politik zur Verfügung stellen. Dafür müssen aber erst die zahllosen Beratungsgespräche vor Ort systematisch aufgearbeitet werden. Die Hoffnung ist, dass man neue Betrugsmaschen und Missstände früher entdeckt, als das heute der Fall ist, sodass weniger Verbraucher geschädigt werden. "Das Wissen der Verbraucherzentralen ist ein Schatz, der noch längst nicht gehoben ist", sagt Udo Reifner, Direktor des Instituts für Finanzdienstleistungen in Hamburg. Heute würden die Verbraucherzentralen nur die ganz massiven Probleme und Abzockmethoden öffentlich machen, ist Reifner überzeugt. Er hofft, dass sich das ändert.

Nicht allen gefällt, dass die Verbraucherzentralen die neue Aufgabe übernehmen. Im Koalitionsvertrag hatten sich SPD und Union zwar auf das Projekt geeinigt, aber wer dafür zuständig sein würde, blieb zunächst offen. In der Union gibt es Vorbehalte gegenüber den Verbraucherzentralen. "Ich hätte mir gewünscht, dass die Finanzmarktwächter unabhängiger sind", sagt Mechthild Heil, Verbraucherschutzbeauftragte der CDU. Sie sieht einen Interessenkonflikt, wenn die Verbraucherzentralen einerseits beraten und dabei Anlageformen empfehlen und andererseits Beschwerden gegen Produkte einreichen können. In der SPD ist man anderer Meinung. "Die Verbraucherzentralen beraten unabhängig und im Sinne der Verbraucher", sagt Dennis Rohde, SPD-Verbraucherexperte und Mitglied im Haushaltsausschuss des Bundestages.