In acht Wochen, liebe Leser, gehen die Briten wählen, und wir können gar nicht eindringlich genug davor warnen, dieses Ereignis unter "interessiert mich nicht" abzulegen. Mit ihrer Stimmabgabe am 7. Mai entscheiden die Briten auch, ob sie in der EU bleiben wollen. Wenn nämlich das konservative Lager aus Tories und Ukip gewinnt, wird es möglicherweise schon im nächsten Jahr einen Volksentscheid geben – und der könnte einen Austritt aus der Gemeinschaft besiegeln. Sollten sich die Wähler indes für eine linke Mehrheit aus Labour, den Grünen und der schottischen SNP entscheiden, wäre das ein Votum für Europa. Wie die Wahl ausgeht, weiß ausnahmsweise wirklich niemand.

Wir haben daher keine Mühen gescheut und eine große, wenn auch keineswegs repräsentative Umfrage gestartet – unter 40 Bankern und Fondsmanagern, die auf einem Platz neben dem Bahnhof Liverpool Street in der Mittagssonne ihre Sandwiches aßen. 26 befanden, die City of London würde ihre Stellung als globaler Finanzplatz außerhalb der EU eher noch stärken. 14 glaubten, dass ein Austritt negative Folgen hätte und sie ihren Job kosten könnte.

So wäre knallhart bewiesen, dass die Meinung der Londoner Finanzwelt von der offiziellen Position abweicht. The City UK, die größte Lobbygruppe des Finanzsektors, spricht sich klar gegen einen Austritt aus, er würde "die City von ihrem wichtigsten Handelsraum abschotten". Der Verein hat viele Berichte publiziert, welch "schwer kalkulierbare Konsequenzen" dies hätte, nur liest sie offenbar keiner. Bei den Gegnern zählen eher die Emotionen. "Wir können das auch ohne die Arschlöcher in Brüssel", war in der Umfrage öfter zu hören. Andere wurden patriotisch und erinnerten an das Empire. "Dafür haben wir Europa ja auch nicht gebraucht", hieß es dann.

Für solche Briten stellt ein Niedergang offenbar keine Gefahr dar, solange er aufrecht in Kauf genommen wird. Jemand sollte ihnen sagen, dass die Welt nichts weniger braucht als Banker, die Helden spielen.