Berlin hat einen Irrtum korrigiert. Die Stadt wird im neuen Schlossbau, genannt Humboldt-Forum, keine Bibliothek unterbringen samt angeschlossener Ausstellung über Sprachen, sondern 2019 eine stadtgeschichtliche Ausstellung präsentieren: die "DNA" einer Weltstadt – kompakt, lebendig hoffentlich und vom Geist des Ortes angeregt, der sich ja dem Austausch der Kulturen widmet. Berlin, Mutter aller lebenskulturellen Hybridbildungen, gehört unbedingt dort hinein. Ein ähnliches Konzept gibt es in Amsterdam, es funktioniert dort prächtig, und die Entscheidung wird sehr dazu beitragen, dass sich das Humboldt-Forum auch zu einem populären Ort entwickelt.

Und so löst der kleine Schachzug der Hauptstädter, die auf Olympia verzichten müssen, mehr aus als ein Umräumen im ersten Stock. Die Entscheidung zeigt an, dass der Betonklotz vier Jahre vor Fertigstellung langsam kulturelle Gravitationskraft entfaltet. Die Ideen werden größer und besser. Das Risiko steigt aber auch. Die Befrachtung des Projektes mit Versprechungen und Erwartungen rückt das Humboldt-Forum in ein noch gar nicht existierendes Zentrum, es ist, vorauseilend schon, der Schauraum des deutschen Selbstbildes, Ort kosmopolitischer Verständigungsperformances und brillantester intellektueller Begegnungen. Mal sehen, wie das wird.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass darum gerangelt wird, wer seine kulturpolitischen Ideen ins Forum einpflanzen darf. Die Kulturstaatsministerin ist zwar formell zuständig, aber der Außenminister hat den Willen, Austausch dort als auswärtige Kulturpolitik zu inszenieren. Die Frage ist nicht beantwortet, wem das Humboldt-Forum gehört, das Schloss wird auch Konfliktschloss sein. Für einen im Sommer zu berufenden Intendanten wird es nicht leichter.

Sicher ist nur, dass es am Ende dieses komplexen Entstehungsprozesses eine Institution geben wird, die unsere gewohnten Vorstellungen ziemlich umkrempeln dürfte, was ein Museum sei und was "interkultureller Dialog". Das vom Humboldt-Forum ausgelöste Streitpotenzial ist erheblich: Antikolonialismus, Restitutionsforderungen, Provenienzforschung, würdevoller Umgang mit human remains (Knochen und Schädeln) – all das bringt die Arbeit der Museumsmacher jetzt schon in Wallung.

Da hat es Berlin leichter mit einer historischen Schau. Langfristig wird die Ausstellung, wenn sie gut gemacht ist, für die Identität der Stadt viel prägender sein als Olympia. Alles andere im Schloss muss seinen Ort erst noch finden.