Elf Uhr in der Kölner Südstadt in einem dieser ganz in Weiß eingerichteten, nach Yoga aussehenden Cafés. Er kommt, wer sagt’s denn, gerade vom Yoga: Frank Plasberg, 57, Moderator der wöchentlichen Talkshow hart aber fair, die seit sagenhaften 14 Jahren läuft. Seine Show hat Gimmicks eingeführt (Zuschauerbefragung, Faktencheck, der Touchscreen zum Start der Einspielfilme), die heute komischerweise allesamt alt wirken. 

Orangensaft, Rührei mit Kräutern. Sein schmales Hornbrillengestell, das signalisiert, dass einer wie er, natürlich, mit allen reden kann. Mit den Leuten vom Fernsehen ist es ja so, dass sie zu jedem Thema so flüssig einen auferzählen können, dass sich im Zuschauer eine diffuse Widerspruchslust einstellt: Wieso? Das sehe ich anders, das glaube ich Ihnen jetzt einfach mal nicht. Wir fangen mit einer vagen, breiten, unspezifischen Frage an: Warum gibt es politische Talkshows? Was war da noch mal die Idee dahinter?

Er schaut gleich ganz frustriert, dass er nicht so flott und funky antworten kann, wie er sich selber sieht. Lustig. "Der Hauptgrund: weil Menschen das gucken wollen. Ich bin immer ein Freund der Quote gewesen." Er guckt herausfordernd: "Geben Sie sich mit dieser Antwort etwa schon zufrieden?" Offen gestanden reicht die uns völlig, danke, ja. Wenn hart aber fair kein politisches Thema hat, wird es ja komischerweise immer schnell sehr dünn: In einer der letzten Sendungen ging es um Unisex-Toiletten ("Deutschland im Gleichheitswahn"). Er sieht das naturgemäß anders: "Die Sendungen, die aus dem Alltag, aus der Lebenswirklichkeit der Menschen kommen, haben eine große Kraft. Die erste Ausgabe von hart aber fair hat sich mit Sterbehilfe beschäftigt."

Uff. Jetzt ist es komischerweise gleich so brutal langweilig mit ihm. Woran liegt das? Welche Frage will man von dem Mann, der über jedes Thema senden kann, beantwortet bekommen? Wir rücken dem Typen vom Bildschirm ganz nahe. Warum tippt er die berühmten Einspielfilme auf dem Touchscreen immer mit dem Mittelfinger, nicht mit dem Zeigefinger an? Erstaunen im Gesicht von Frank Plasberg. Das findet er gut, dass der Zuschauer das beobachtet hat: "Ich tippe auch beim Schreiben mit dem Mittelfinger. Das hängt mit einer alten Schulterverletzung zusammen."

Gemeinsam wollen wir jetzt einen journalistischen Mythos aufklären: Ist die toughe Frage nicht eine Shownummer? Kriegt man mit lieben Fragen nicht viel eher etwas raus? "Da gebe ich Ihnen unumwunden recht", sagt Frank Plasberg. "Wenn Sie es klug anstellen, dann ist die toughe Frage übrigens die dritte, nicht die erste." Über seine Gäste redet Frank Plasberg ja prinzipiell nur gut. Also, warum ist die Simone Thomalla der ideale Talkshowgast? Er setzt ein triumphierendes Gesicht auf: "Jetzt wollten Sie mir mit einer überheblichen Frage kommen. Und sind gescheitert. Zuletzt war nicht Simone Thomalla, sondern ihre Tochter Sophia bei mir zu Gast. Chance verpasst. Ihre Frage beantworte ich nicht." Der Faktencheck-König Frank Plasberg – da hat er einen.

Er verrät jetzt sehr gekonnt nichts über sein neues Ferienhaus auf Mallorca. Dann lobt er, immer schön, seine Redaktion. Die demonstrative Selbstgewissheit des Frank Plasberg. Noch eine sinnlose, eine hingeschlampte Frage – man würde sich mit diesem Typen, den seine Souveränität panzert, so gerne nicht verstehen: Hilft Alkohol? "Ach, wissen Sie, so ein Absturz mit Kater und zu kurzem Schlaf kann doch ein schöner System-Neustart sein." Ach so. "Hilft Alkohol?" wäre natürlich auch ein super Sendungsthema.

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