Die neue Regierung Griechenlands ist eine politisch schräge Koalition, die das linke Syriza-Bündnis und die rechtspopulistische Anel umfasst und nach fünf Jahren Rezession das Land aus der Krise führen soll. Das ist einerseits nur schwer möglich, andererseits aber sollte die Regierung ihre Aufgaben erfüllen – dann kann es weitere Hilfen geben, dann kann Griechenland durch anhaltendes Wachstum und Reformen die Krise überwinden.

Aber nichts davon geschieht bis jetzt. Der griechische Finanzminister tingelt durch Talkshows, statt sich in der Schweiz zügig und energisch um ausstehende Steuerschulden aus Auslandsguthaben reicher Griechen zu kümmern. Yanis Varoufakis hat eine bestimmte Theorie von der Griechenlandkrise und meint, dass ein zweiter Schuldenschnitt dringlich sei – vielleicht ist das nicht einmal unplausibel, aber sicher geht es jetzt nicht. Griechenlands Regierung hat sich zudem in ernste Schwierigkeiten gebracht, weil sie ihren Wählern zu viel versprochen hatte.

Die Tsipras-Regierung steht sich jetzt doppelt im Weg: Ihr fehlt der Sinn für die Dramatik der finanzpolitischen Lage, die sie mit ihren vollmundigen Erleichterungsversprechen für die Bürger selbst erschwert hat. Griechenland besitzt Staatsvermögen von mehr als 300 Milliarden Euro und hat seit 2010 kaum ein Prozent privatisiert. Wenn die neue Regierung das Privatisierungsprojekt nun gleich ganz stoppen will, so beraubt sie sich blindwütig ihrer wichtigsten finanzpolitischen Option und handelt unverantwortlich. Athen hätte längst eine Immobilien-AG schaffen können, die in London, Frankfurt oder Paris an die Börse zu bringen wäre, wobei sie im Vorfeld das leidige Problem des fehlenden Katastersystems abarbeiten müsste.

Griechenland hatte einmal 150 Millionen Euro für ein digitales EU-Katasterprojekt erhalten, aber nach zwei Jahren Projektarbeit fiel der damaligen Regierung nichts Besseres ein, als das Projekt – bei Rückzahlung von nur 60 Millionen Euro – unerledigt an die EU zurückzugeben.

Man kann Griechenland zugutehalten, dass die Euro-Zone unverantwortlich handelte, als sie das Land in eine fünfjährige Rezession mit real 25 Prozent Einkommensrückgang fallen ließ. Ein Marshallplan für Griechenland hätte diesen traurigen, gefährlichen Rezessionsrekord verhindern können. Aber hierzu hat sich keine politische Mehrheit gefunden.

Für einen zweistufigen Marshallplan in Höhe von 30 Milliarden Euro innerhalb von zwei Jahren ist es noch nicht zu spät: Mit dem Geld könnte man die Berufsbildung verbessern, Gründer finanzieren und den Export fördern. Aber nur unter der Bedingung, dass Griechenland Staatsvermögen in großem Umfang privatisiert – 60 Milliarden Euro innerhalb weniger Jahre. 60 Prozent davon sollten in die Schuldentilgung gehen, 40 Prozent in neue öffentliche Investitionen.

Obendrein sollte Griechenland ein Drittel seiner Staatsschulden auf Wachstumsbonds umstellen können, die bei einer Rezession maximal ein Jahr in der Zinszahlung ausgesetzt werden. Hierfür sollte Europa zur Bedingung machen, dass Griechenland jenseits von Zinszahlungen ein Haushaltsplus von mindestens zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts realisiert.

Geben und Nehmen, Schritt für Schritt: Einen Schuldenschnitt um 60 Milliarden Euro könnte Athen in zwei Schritten zudem erhalten, wenn es wirklich Reformen für mehr Wachstum durchführt.

Sofern damit eine nachhaltige Stabilisierung des Landes erreicht werden kann, wird der Bonus für die Euro-Zone ein insgesamt höheres Wachstums sein. Halten die Griechen sich nicht an die neuen, auszufeilenden Vereinbarungen, so können sie nicht weiter in der Euro-Zone bleiben.