Prognose: "Die Geldentwertung wird kommen – und die mit ihr verbundene Verarmung breiter Bevölkerungsschichten wird die Menschen dem Sozialismus in die Arme treiben."

(Thorsten Polleit, Chefökonom beim Goldhändler Degussa, in der Wirtschaftswoche vom 17.5.2013)

Warum kam es nicht dazu? "Bei einem Wasserrohrbruch im Haus tröpfelt es erst in der einen, dann in der anderen Ecke, und schließlich sind alle Wände und Decken, ist das ganze Gebäude durchnässt. Ganz ähnlich ist die volkwirtschaftliche Wirkung, die das Ausweiten der Geldmenge auf die Güterpreise hat: Erst steigen hier die Preise, dann da, und am Ende sind alle Preise gestiegen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat seit Anfang 2008 die Euro-Zahlungsmittelmenge (die sogenannte Geldmenge M1, also Bargeld und kurzfristig verfügbare Bankguthaben) um sage und schreibe 51 Prozent vergrößert – obwohl die Wirtschaftsleistung im Euro-Raum um 2 Prozent geschrumpft ist. Die Lebenshaltungskosten sind dagegen 'nur' um 9 Prozent angestiegen. Doch diese Zahl zeigt nicht die wahre Inflation. Die Inflation, für die die EZB bisher gesorgt hat, taucht in der amtlichen Statistik nicht auf.

Drei Beispiele: Von Anfang 2008 bis heute sind die Häuserpreise in Deutschland um 28 Prozent, der deutsche Aktienmarkt um mehr als 48 Prozent und die Preise für zehnjährige deutsche Staatsanleihen um 47 Prozent gestiegen.

Diese 'Bestandsgüterpreisinflation' wird früher oder später auch die Konsumentenpreise erfassen. Das Wasserrohr ist längst geplatzt, die Nässe hat sich nur noch nicht überall im Haus gezeigt.

Die EZB sorgt für eine nie da gewesene Geldschwemme. Sie kauft Staatsanleihen im großen Stil und gibt dafür neue Euros aus. Man muss geschichtsvergessen oder ein quacksalberischer Ökonom sein, um nicht zu erkennen, dass das die Kaufkraft des Euro ruiniert."