In einem kleinen Sonnensystem am Rande der Milchstraße sucht der Mensch nach Leben außerhalb seiner irdischen Heimat. Acht Planeten (plus Zwergplanet Pluto) kreisen hier um die Sonne, und trotz ausgiebiger Forschung hat sich noch keiner davon als lebenswertes Habitat aufgedrängt. Mars: kaum Wasser. Merkur: keine Atmosphäre. Venus: fast 450 Grad Celsius heiß. Saturn und Jupiter: unwirtliche Gasriesen. Kein Einzeller könnte es sich dort gemütlich machen. "Die NASA gibt seit Jahrzehnten Milliarden von Dollar aus, um die Planeten in unserem Sonnensystem zu studieren", sagt René Heller, Astrophysiker am Origins Institute der McMaster University in Ontario. "Aber der Mars ist und bleibt tot, das zeigt jede neue Rover-Landung."

Doch die Planeten werden von insgesamt weit über hundert Monden umkreist, die studiert werden könnten. "Die Monde waren bisher wissenschaftlich extrem unterbeleuchtet", sagt Heller. "Jetzt nehmen Forscher sie bei der Suche nach extraterrestrischen Lebensformen endlich in den Fokus." In der vergangenen Woche schaffte es der Saturnmond Enceladus in die Schlagzeilen; auf ihm waren warme Ozeane entdeckt worden. Nun haben Wissenschaftler auch auf dem Jupitermond Ganymed Hinweise auf ein Meer aus Salzwasser gefunden.

Unter der Eiskruste Ganymeds könnte sich ein rund hundert Kilometer tiefer Ozean befinden, zehnmal so tief wie die Meere der Erde. Darauf deuten Untersuchungen mithilfe des Weltraumteleskops Hubble hin. Es hat das Magnetfeld des Mondes ins Visier genommen, das anhand von Polarlichtern gut sichtbar ist. Unter dem Einfluss des Jupiters flackerte es merklich – aber nicht so stark, wie man erwarten würde. Die Ursache dafür könnte ein enormer Salzwasserozean sein, der ein induziertes Magnetfeld bildet, das diese Schwankungen dämpft. "Das ist eine plausible Erklärung, die bisherige Vermutungen stützt, aber noch von anderen Forschungsgruppen bestätigt werden muss", sagt Heller. "Ein tiefer Ozean auf Ganymed eröffnet neue, aufregende Möglichkeiten für ein Leben außerhalb der Erde", sagt NASA-Forscher John Grunsfeld.

Der Saturnmond Enceladus ist womöglich sogar noch eine bessere Wette. Die Raumsonde Cassini hatte Siliziumdioxidpartikel aufgefangen, die nach Auffassung der Wissenschaftler durch hydrothermale Aktivitäten enstanden sein könnten – also durch Reaktionen von Wasser mit Gestein in großer Tiefe und bei Temperaturen von mindestens 90 Grad Celsius. Das Mondmeer muss also heiß sein und tief, an seinem Grund muss Gestein ruhen. So könnten sich auch Nährstoffe im Wasser lösen. Der Grund der Ganymed-Meere dagegen besteht wahrscheinlich aus Eis.

Flüssiges Wasser und ein Vorrat von Nährstoffen sind zwei der Grundvoraussetzungen für Leben, wie wir es kennen. Außerdem braucht es eine stabile Energiequelle. Neben Ganymed und Enceladus gibt es noch zwei weitere Kandidaten, die diese Bedingungen zu erfüllen scheinen: den Saturnmond Titan und den Jupitermond Europa. Kein Planet unseres Sonnensystems kann da mithalten.

Monde haben einen großen Vorteil: Neben der Sonne dient ihnen ihr Mutterplanet als zweite externe Energiequelle. Er strahlt die Energie der Sonne auf die Monde ab, zudem kann er sie direkt mit seiner eigenen Energie oder gar indirekt beheizen: Enceladus, Europa und Ganymed bewegen sich ellipsenförmig um ihre Mutterplaneten, dabei knetet die schwankende Gravitation die Monde durch. Es entsteht Gezeitenreibung, die das Innere der Monde erhitzt und ganze Ozeane unter dicken Eisschichten warm hält – ein natürliches Heizkraftwerk, betrieben durch Schwerkraft. Das Problem: Die Eisschicht an der Oberfläche kann trotzdem Milliarden Jahre überdauern. "Die Monde wirken schon ziemlich befremdlich", sagt Heller. "Ihre Meere unter dem Eis sind zwar näher an den Bedingungen der Erde, trotzdem wären sie eine ganz andere Art von Heimstatt."

Spannend sind die Monde allemal, und sie eröffnen neue Perspektiven für die Suche nach Leben jenseits unseres kleinen Sonnensystems. Das Kepler-Teleskop hat bereits Tausende Exoplaneten entdeckt, also Planeten außerhalb des Sonnensystems. René Heller hat berechnet, dass um die größten dieser Planeten Hybridhimmelskörper kreisen könnten, sozusagen Monde mit planetarer Qualität. Sie könnten zehnmal so viel Masse haben wie Ganymed und damit etwa doppelt so viel wie der Mars. "Solche Himmelskörper könnte es dort in großer Vielfalt geben", sagt Heller. Ein neuer Satellit, genannt Plato, soll sich im Jahr 2024 auf die Reise machen, er könnte solche Riesenmonde mühelos entdecken. Wer weiß, vielleicht finden sich dort sogar Bedingungen für Leben, die denen auf der Erde überlegen sind.