Eines kann man sich sparen: zur Börse zu gehen. Wer dahin läuft, um sich Aktien zu kaufen, wird enttäuscht. Er kommt gar nicht bis zu jenem Parkett, auf dem Aktien bekanntlich gehandelt werden. Normale Anleger haben keinen Zutritt. Es gibt in der ganzen Börse, die man aus dem Fernsehen kennt – Frankfurt, Börsenplatz 4 –, keinen Tresen, an dem Besucher Aktien erwerben könnten. Nichts. Nur Souvenirs darf man sich abholen, etwa einen Briefbeschwerer aus altem Börsenparkett für zwölf Euro.

Es ist eigentümlich, fast alles kann man heute im Vorbeigehen kaufen: Abenteuerwochenenden, Handyverträge, Weltreisen. Wer will, kann sich im Handumdrehen einen teuren Kredit ans Bein binden oder 50.000 Euro für ein neues Auto rausblasen. Nur Aktien, diese seit 400 Jahren bekannten Wertpapiere, sind nicht so leicht zu bekommen. Doch sie lohnen sich – jedenfalls für alle, die langfristig denken. In den vergangenen 50 Jahren hat sich ein Paket mit Aktien der 30 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland immer bezahlt gemacht. Egal, wann man sich die Aktien zulegte: Zehn Jahre später ergab sich fast immer ein Gewinn (außer 1998 und 1999). Spätestens nach 15 Jahren war die Rendite ausnahmslos positiv. Oft lag sie bei fünf, sechs oder gar zehn Prozent – pro Jahr. Natürlich garantiert eine goldene Vergangenheit nicht eine ebensolche Zukunft, aber viel spricht dafür: Mitinhaber von Unternehmen zu werden rentiert sich. Wie also kauft man Aktien?

1. Lektion: Der Aktionär

Unser Grundkurs beginnt mit einer Einschränkung: Aktien, so lukrativ sie sein können, eignen sich nicht für jede Lebenssituation. Drei Fragen sollte der Börseninteressierte sich stellen: Habe ich Geld, das ich in den nächsten 10 bis 15 Jahren nicht brauche? Traue ich mir zu, cool zu bleiben, wenn die Kurse mal senkrecht nach unten fallen? Bin ich schuldenfrei? Wer dreimal mit Ja antworten kann, für den kommen Aktien als Geldanlage infrage. Wichtig ist aber: Es sollte nur ein begrenzter Teil der Ersparnisse in sie investiert werden. Vielleicht ein Fünftel, vielleicht ein Drittel, das hängt von der eigenen Risikobereitschaft ab. Auch Aktien sind nicht das Nonplusultra der Geldanlage, in das bedenkenlos alles gesteckt werden darf – das existiert nicht.

Keine Regel ohne Ausnahme: Die Entscheidungshilfe mit den drei Fragen ist für den normalen Sparer gedacht, der am langfristigen Vermögensaufbau interessiert ist. Manche Menschen wollen aber bewusst lieber kurzfristig an der Börse spekulieren. Sie reizt der Nervenkitzel, sie glauben, dass sie schlauer sind oder besser informiert als andere, oder sie wollen einfach mal ausprobieren, wie sich Spekulieren anfühlt. Auch das können Motive sein, um sein Geld an die Börse zu tragen. In diesem Fall empfiehlt es sich aber, wirklich nur so viel davon mitzubringen, wie man ohne allzu großen Kummer entbehren mag. Denn das Risiko, dass daraus weniger wird statt mehr, ist dabei groß.

Auch die Banken versuchen zu prüfen, für wen sich Aktien eignen. In der Regel ermöglichen sie erst nach einer Art Bestandsaufnahme den Zugang zu Börsengeschäften. Allerdings führen die Fragebogen der Institute nicht immer zu sinnvollen Ergebnissen – auch mancher erfahrene Finanzjournalist wurde von seiner Bank schon als "nicht aktientauglich" befunden. Deshalb kann es im Einzelfall sinnvoll sein, sich über solche Urteile hinwegzusetzen. Die Kunden haben das Recht dazu, sofern sie bestätigen, dass sie gewarnt wurden. Auf diese Weise schützen sich die Institute vor Schadensersatzklagen. Letztlich muss ein Anleger selbst entscheiden, ob er sich an Aktien heranwagt.

2. Lektion: Das Depot

Wer eben dreimal Ja gesagt, alle Bedenken bedacht hat und noch immer Aktien im Sinn hat, der braucht als Erstes ein Depot. Das ist nötig, um Wertpapiere darin abzulegen, wenn auch nur virtuell. Aktien aus schmuckvoll bedrucktem Papier, wie man sie aus alten Filmen kennt, gibt es kaum noch. Heute läuft alles elektronisch. Die meisten Aktiengesellschaften hinterlegen bloß in einem Safe der Firma Clearstream in Frankfurt eine große Sammelurkunde für alle von ihnen ausgegebenen Anteile. Kauft ein Anleger eine Aktie, erwirbt er im Grunde einen winzigen Schnipsel dieses Megaanteilscheins.

Ein Depot lässt sich bei jeder Bank einrichten. Aber Vorsicht: Je nach Institut fallen unterschiedlich hohe Depotgebühren an – und manchmal verschlingen sie alles, was der Aktionär an Rendite überhaupt erwirtschaftet.

Die Stiftung Warentest stellte ein Musterdepot zusammen und verglich die Banken: Beim günstigsten Anbieter kostete es 90 Euro im Jahr, beim teuersten 970 Euro. Dabei wurden etwas mehr als ein Dutzend Käufe und Verkäufe unterstellt und ein Anlagekapital von 30.200 Euro. Das bedeutet: Bei der teuersten Bank gingen mehr als drei Prozent des Ersparten allein für Gebühren verloren! Wer also bei Börsianern an dicke Zigarren denkt und glaubt, um Kleingedrucktes müsse er sich nicht mehr scheren, der irrt.