Wenn die Bahn künftig häufiger, schneller und komfortabler fährt, dann liegt das vor allem – am Bus. Bis 2030 will die Deutsche Bahn ihr Angebot im Fernverkehr um 25 Prozent ausweiten. Dafür sollen die IC- und ICE-Züge die Metropolen künftig im Halbstundentakt miteinander verbinden und zudem wieder stärker die Provinz anfahren, die die Bahn in der Vergangenheit systematisch vom Netz abgekoppelt hat. Außerdem wirbt der Konzern mit Sparpreisen bald schon ab 19 Euro, verspricht kostenloses WLAN im ICE und schafft die Gebühr für die Sitzplatzreservierung ab. All das soll jährlich 50 Millionen neue Fahrgäste in die Fernzüge locken.

Es sei die "größte Kundenoffensive in der Geschichte des Unternehmens", sagt die Bahn. Allerdings hat sie weniger mit dem Kunden zu tun als vielmehr mit der Konkurrenz. Denn das Geschäft mit den IC- und ICE-Zügen ist in schwerer Bedrängnis, seit der Fernbusmarkt Anfang 2013 liberalisiert wurde und neue Konkurrenten wie FlixBus und andere der Bahn immer mehr Kunden abjagen. Jeder dritte Reisende, der heute in den Fernbus steigt, war zuvor mit einem Fernzug der DB unterwegs. Mehr als 200 Millionen Euro Umsatz hat die Bahn im vergangenen Jahr an die Billigbusse verloren, der Gewinn im Fernverkehr brach um ein Drittel ein.

Der Fernbus tut der Deutschen Bahn gut, er macht sie kundenfreundlicher. Doch ist der Wettbewerb zwischen Bus und Bahn wirklich fair?

"Nein", sagt Andreas Knie, Verkehrsforscher und Geschäftsführer des Innovationszentrums für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel in Berlin, "es herrschen ungleiche Wettbewerbsbedingungen." Während die Bahn für die Nutzung der Infrastruktur bezahlen müsse, fahre der Bus auf der Straße kostenlos.

Konkret sieht das so aus: Für jeden Zug, der auf dem Schienennetz verkehrt, und für jeden Bahnhof, an dem er hält, zahlt die Bahn Trassengebühren und Stationsentgelte an ihre eigene Infrastrukturtochter DB Netz AG. Dieses Geld soll wieder zurück ins Schienennetz fließen, etwa, um damit Löcher in den Gleisen zu stopfen. Der Bus hingegen zahlt keine Nutzungsgebühr, mit der die Löcher in den Autobahnen geflickt werden könnten. Er ist von der Maut, wie sie Lkw ab zwölf Tonnen und bald auch Pkw (siehe Artikel links) bezahlen müssen, ausgenommen.

Neben den Trassen- und Stationspreisen fallen bei der Bahn noch weitere Kosten an, von denen der Bus verschont ist: 160 Millionen Euro jährlich für die EEG-Umlage. 120 Millionen Euro Stromsteuer. 60 Millionen Euro für den Emissionshandel. Die Bahn muss ihre Fahrgäste außerdem für Ausfälle und große Verspätungen bei Sturm, Schnee und Eis entschädigen, der Bus hingegen zahlt bei höherer Gewalt: nichts. Im Bahn-Tower haben sie ausgerechnet, dass bei einer Busfahrt Kosten von lediglich fünf Cent pro Kilometer und Person anfallen, bei einer Bahnfahrt sind es elf Cent, also mehr als das Doppelte. "Wir brauchen fairere Rahmenbedingungen zwischen den verschiedenen Verkehrsträgern", fordert Bahnchef Rüdiger Grube deshalb bei jeder Gelegenheit.

Doch wie könnten die aussehen? Verkehrsexperten wie Knie fordern seit Langem, dass auch der Omnibus eine Maut bezahlen sollte. Spätestens wenn die Abgabe von kommendem Jahr an auch für Pkw gilt, ist es kaum noch zu vermitteln, warum ausgerechnet der Bus davon ausgenommen sein sollte. Doch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) denkt nicht daran, das Gesetz zu ändern. Auf Anfrage lässt er über seine Pressestelle ausrichten: "Es gibt in meinem Haus keine Pläne zur Einführung einer Fernbusmaut." Die würde ohnehin so gering ausfallen, dass sie den "aktuellen harten Wettbewerb mit der Bahn nicht groß verändern" würde.

Die Busbetreiber sehen das natürlich anders. Die Maut würde "den Markt zerstören", warnt der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer. Das Resultat: Die Ticketpreise würden um 20 Prozent steigen. Das klingt viel, würde aber bei den Billigpreisen der Branche nicht sonderlich ins Gewicht fallen. Die Busfahrt von München nach Stuttgart, die heute für 8 Euro zu haben ist, würde dann 9,60 Euro kosten – und wäre noch immer um die Hälfte billiger als der günstigste Sparpreis bei der Bahn.