Im Duden steht "Zentrum". Zentrum für Mittelpunkt, Innenstadt, Stadtmitte. Nähert man sich Hamburg aber mit dem Auto, liest man auf Verkehrsschildern: "Centrum". Ein Begriff, der nicht im Duden steht. Der also – das können die Korrektoren der ZEIT, und bessere gibt es nicht auf der Welt, bestätigen – nicht existiert. Zumindest nicht für den Mittelpunkt einer Stadt. Wird da also gar nicht auf die Mitte Hamburgs hingewiesen? Sondern auf eine andere, bedeutsame, vielleicht kultische Stätte mit dem eigenwilligen, vermutlich aus dem Platt herrührenden Namen "Centrum" – die sich verwirrender- aber rein zufälligerweise mitten in Hamburg befindet?

Wir haben Experten befragt, im Schutz der Sonnenfinsternis in den Ruinen der Hammaburg gegraben: Nein. Eine Stätte namens "Centrum" gibt es nicht. Nur ein Produkt zur Nahrungsergänzung.

Ist es mit Hamburg also schon so weit, dass man hier nicht nur Arenen nach Telefonanbietern benennt, sondern sogar die komplette Innenstadt an einen Hersteller von Multivitaminpillen verscherbelt? Und heißt demnächst der Michel Rügenwalder oder Racke rauchzart?

Oder aber versteckt sich irgendwo in der Verkehrsbehörde noch heute ein zutiefst bedauernswerter Mitarbeiter, der es vor Jahren – einfach verbockte? Der, in der deutschen Rechtschreibung nicht sattelfest, aber ungemein selbstsicher, bei den Schildermalern 235-mal "Centrum" orderte, "natürlich mit C, wie sonst, ihr hupenden Blindfische!" Und als dann später die Leute auf den Straßen nicht mehr aufhören konnten zu kichern und er in einem Buch namens Duden nachsah, da war es, tja, zu spät.

So ähnlich war es. Nur anders. Denn es geschah, berichtet Helma Krszanoski, Sprecherin der Wirtschaftsbehörde, mit voller Absicht. Wie es dazu gekommen sei, wisse im Haus heute niemand mehr. Es muss aber etwa so gewesen sein: Als sich von den fünfziger Jahren an immer mehr Touristen aus dem Ausland in die aufstrebende Weltstadt Hamburg verirrten, ins Rathaus abbogen, um die Toilette zu benutzen, und fragten, wie weit es denn noch zum "center" oder zum "centro" sei, da kam ein pfiffiger Mensch auf die Idee, "Stadtmitte" auf den Schildern durch das leichter identifizierbare "Centrum" zu ersetzen. Sicher, seit der Orthographischen Konferenz von 1901 schrieb man "Zentrum". Aber das wussten die Touris ja nicht. Und klingt "Centrum" nicht viel mondäner?

Nein. Glaubt man heute. Aber soll man deshalb all die Verkehrsschilder neu beschriften, wo eh jeder nur noch auf sein Navi guckt? Außerdem: Vielleicht meldet sich der Vitaminpillenhersteller ja doch noch.